Full text: Mosel- und Saarführer

134 
Der Umstand, dass die Metzer bei den vielfachen Angriffen des 
kräftigen Schutzes durch den deutschen Kaiser entbehrten, bahnte 
allmählich ihre Neigung zu Frankreich an. Die Bürger schlossen 
mit Ludwig XI. ein Bündnis und Hessen sich auch bei der Krönung 
Ludwigs XII. vertreten. Ein wiederholter Besuch Kaiser Maximi¬ 
lians I. konnte diese Neigung nicht ganz unterdrücken. Die Re¬ 
formation gewann in Metz sehr viele Anhänger, Kaiser Karl V. 
erhob zwar dagegen Einspruch, doch ohne Erfolg; der Kaiser war 
selbst dreimal in der Stadt, ahnte aber nicht die Gefahr, die die 
Westgrenze des Reiches bedrohte. Die Spannung, die zwischen 
Karl V. und den protestantischen deutschen Fürsten herrschte, wusste 
der französ. König Heinrich II. wohl zu benutzen und brachte am 
10. April 1552 durch einen verräterischen Zug des Herzogs von Mont- 
morency Metz in seinen Besitz. Es wäre nicht möglich gewesen, 
wenn nicht eine starke franzosenfreundliche Bürgerschaft in der 
Stadt die Ueberrumpelung unterstützt hätte. 
Karl V. versuchte vergeblich in dem folgenden Winter, den 
wichtigen Punkt dem deutschen Reiche wiederzugewinnen. Er lag 
mit 60 000 Mann, die unter Albas Oberbefehl standen, wochenlang 
vor der Festung; allein die Stärke derselben und die ungünstige 
Witterung zwangen ihn zum Abzüge. Metz blieb französisch und 
wurde noch stärker befestigt. Die Bürger verloren die meisten ihrer 
lang gehüteten Rechte. Unter Karl IX. wurden die Protestanten 
der Stadt verfolgt; erst das Edikt von Nantes 1598 verschaffte ihnen 
wieder Frieden. 
Während des 30jährigen Krieges wütete von 1623—26 die Pest in 
der Stadt und raffte 3000 Einwohner hin. 1634 verheerten die Schwe¬ 
den die Umgegend. Die Kriege Ludwigs XIV. brachten neues 
Unglück über Metz, noch mehr aber die Aufhebung des Edikts von 
Nantes 1685. Die Hälfte der Einwohnerschaft verliess die Stadt, 
deren Blüte auf lange Zeit dahin war. Erst gegen Ende des acht¬ 
zehnten Jahrh. erreichte sie die frühere Einwohnerzahl. In dem 
Taumel der Freiheit und Gleichheit und in den Ausschreitungen der 
Revolution stand Metz hinter andern Städten Frankreichs nicht zurück. 
Napoleon I. weilte öfter in Metz, zum letzten Male am 8. Nov. 
1813 nach der Niederlage bei Leipzig. Unter Louis Philipp blühte 
die Stadt wieder auf, was nicht hinderte, dass die Einwohner auch 
Napoleon III. zujubelten. Nach 1866 bereitete sich Frankreich 
auf einen Krieg mit Deutschland vor; Metz wurde durch mehrere 
Forts in ein befestigtes Kriegslager umgewandelt. Die begonnenen 
Werke waren noch nicht fertig, als der Krieg erklärt wurde. 
Am 28. Juli 1870 war Napoleon in Metz und besichtigte die neuen 
Forts. Nach der Beschiessung Saarbrückens kehrte er wieder hier¬ 
her zurück und erfuhr hier die Niederlagen von Weissenburg, W'örth 
und Spichern. Als die siegreichen Deutschen sich Metz näherten, 
verliess der Kaiser am 15. August die Stadt, nachdem er Bazaine 
den Oberbefehl übertragen hatte. Infolge der drei Schlachten am 
14., 16. und 18. August wurde die französ. Armee in Metz einge¬ 
schlossen und vermochte nicht,den eisernen Ring durch die Ausfälle bei 
Noisseville und beiWoippy zu durchbrechen. Der Ausgang 
ist bekannt: am 21. Oktober gab sich die französ. Armee von 
173 000 Mann und 6000 Offizieren, darunter 8 Marschälle und 60 Gene¬ 
räle, kriegsgefangen. In den Lazaretten befanden sich 20000 Solda¬ 
ten. Ausserdem wurden 53 Adler, 66 Mitrailleusen, 541 Feld- und 
800 Festungsgeschütze erbeutet, sowie eine ganz ausserordentliche 
Menge andern Kriegsmaterials. 
Metz wurde Hauptstadt des Bezirkes Deutsch-Lothringen und 
ungemein stark befestigt. Ein grosser Teil der reicheren Bewohner 
und auch der Arbeiter wanderte zwar nach Frankreich; doch kam
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.