Full text: Die Invasion der Franzosen in Saarbrücken im August 1870

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fein Sterblicher kann wissen, wann das Wüthen m 
eigenen Fleische aufhört und das tief niedergeschmettert 
Volk die Ruhe wieder findet, die es so sehr bedarf, 
um sich von den Leiden zu erholen, die es sich durch , 
seine Mißregierung, seine Leichtfertigkeit, Untreue uitb 
Sittenlosigkeit, Eigendünkel und Gelüste nach dem Gute 
anderer Nationen zugezogen hat. V , 
Im deutschen Reiche aber hat man seit langer! * 
Zeit kein Osterfest gefeiert, wie in diesem Jahre, betn 
Jahre 1871; ein warmer, wonniger Frühlingshauch ! 
zieht durch die deutschen Lande, lockt ans dürren nui 
kahlen Zweigen grünende, schwellende Knospen, in der i 
Herzen der Menschen aber neue Hoffnungen hervor > 
Wie vom Gottesodem geschwellt, hebt jede Brust sich ; 
in dem Bewußtsein vom Herannahen einer bessere» i 
Zeit, und daß, wie des Winters Nacht, auch die Nacht 
entschwunden ist, die so lange dein deutschen Volke den i 
hehren Tag seiner Einheit und Freiheit verhüllt har f 
Voll Vertrauen und Hoffnung sieht das ganze deutsche ! 
Volk in die Zukunft; dieses erhebende Bewußtsein ist ' 
es auch, das wie ein Friedensengel Milderung und ' 
Trost bringt in so viele Tausende von Herzen, die i» ! 
Schmerz und Trauer au den Gräbern oder an dein ' 
Schmerzenslager ihrer Lieben klagen, die als Opfer ! 
gefallen sind in dem heiligen Kampfe, von dem ich Dir, I 
geehrter Leser, eine kurze Skizze in dieser Local-Chro- 
nik zu geben verursacht habe. Ich weiß es, daß diese ! 
Schrift keinen Anspruch machen darf auf Vollständig 
seit, ans Wahrheit aber kann sic Anspruch machen, und 
somit gebe ich sie mit Vertrauen in Deine Hand, ! 
überzeugt, daß Du mir Deine Nachsicht nicht ver- i 
sagen wirst. ! i 
S a ar b r ü cke n, den 10. April 1871. | | 
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