Full text: Die Entstehungsgeschichte des Saarstatuts

führung fremder Arbeiter darf unbegrenzt erfolgen, wodurch 
die Interessen der deutschen Arbeiter gefährdet werden. Der 
Erwerb einer fremden Nationalität wird erleichtert. Dies alles 
eröffnet zusammen mit unbestimmten Vorschriften über Zoll¬ 
verhältnisse, Münzwesen, Verwaltung, Eisenbahnwesen und 
dergleichen alle Möglichkeiten, um die Verbindung des Saar¬ 
gebietes mit dem übrigen Reich vollends aufzuheben. D i e 
während des Waffenstillstandes gemachten 
Erfahrungen haben gezeigt, was die Bevölke¬ 
rung des Saargebietes künftig durchzu¬ 
machen haben wird. Vom Tage ihres Erscheinens an 
haben die französischen Okkupationsbehörden kein Mittel un¬ 
versucht gelassen, um sie für die Angliederung an Frankreich 
reif zu machen. Es wird versucht, die durch die Hungerblockade 
und durch die Anstrengungen des Krieges geschwächte Be¬ 
völkerung mit allen Mitteln so weit zu bringen, daß sie schon 
jetzt die französische Staatsangehörigkeit erwirbt. Viele, die 
nicht nur im Herzen zum alten Vaterlande halten, sondern sich 
zu ihm bekennen, werden ausgewiesen. 
Alles dies wird gefordert „en compensation de la destruc¬ 
tion des mines de charbon dans le Nord de la France, et à valoir 
sur le montant de la réparation des dommages de guerres dûs 
par PAllemagne“. Glauben die alliierten und assoziierten Re¬ 
gierungen, daß die deutsche Regierung einem solchen Vor¬ 
schläge zustimmen kann? Die Entschädigungsfrage für die nord- 
französischen Gruben kann auf anderer als auf wirtschaftlicher 
Basis nicht gelöst werden. 
Der Versuch, zu rein materiellen Zwecken durch vorläufige 
Unterstellung unter den Völkerbund ein national nicht strittiges 
Gebiet vom Vaterlande loszureißen, zieht die Idee des Völker¬ 
bundes herab. 
Die Bestimmungen über das Saargebiet haben nach der Note 
vom 24. Mai den Zweck einer exemplarischen Wiedergut¬ 
machung. Die deutsche Regierung lehnt es ab, irgendeine 
Wiedergutmachung als Strafe zu leisten. Sie muß es noch viel¬ 
mehr ablehnen, die der Gesamtheit zugedachte Strafe in Gestalt 
nationaler Leiden auf einzelne Bevölkerungsteile abzuwälzen. 
Würde so das Saargebiet an Frankreich gebracht, so beginge 
man damit das gleiche Unrecht, dessen Wiedergutmachung man 
von Deutschland in bezug auf Elsaß-Lothringen verlangt: man 
trennte die Bevölkerung eines Teilgebiets von ihrem Vaterlande 
trotz des feierlichen Protestes ihrer Vertreter. Wer Frankreich 
und Deutschland eine solche Lösung empfiehlt, trägt einen 
neuen Konfliktstoff in die Beziehungen zwischen dem deutschen 
und französischen Volk. 
Der in der letzten Note vom 24. Mai gemachte Vorschlag, 
von einem Zwange zur Goldzahlung für den Fall des Rück¬ 
kaufs der Kohlengruben abzusehen, trifft nicht den Kern des 
Problems. Die deutsche Regierung, die nunmehr die Gesamtheit 
ihrer sehr weitgehenden Vorschläge zur Wiedergutmachung 
überreicht hat, gibt daher den alliierten und assoziierten Re¬ 
gierungen zur ernstesten Erwägung anheim, die vorgeschlagene 
Lösung der Saarfrage nochmals einer eingehenden Unter¬ 
suchung zu unterziehen . . 
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