Full text: Die Entstehungsgeschichte des Saarstatuts

größerer Genauigkeit auseinandersetzen, nicht angenommen 
werden. Keine Abmachung dieser Art würde insbesondere 
Frankreich dieselbe Sicherheit und Gewißheit geben können, 
die ihm das volle Eigentum und die freie Ausbeutung der 
Kohlengruben des Saarbeckens gewähren werden. 
Die vorgeschlagene Abtretung von Beteiligungen an Kohlen¬ 
gruben, die auf deutschem Gebiete liegen und deutscher Aus¬ 
beutung unterstellt sind, wäre für die französischen Aktionäre 
von zweifelhaftem Wert. Sie würde eine Vermischung franzö¬ 
sischer und deutscher Interessen schaffen, die gegenwärtig nicht 
ins Auge gefaßt werden kann. 
Die vollständige und sofortige Übertragung der nahe der 
französischen Grenze belegenen Bergwerke an Frankreich stellt 
eine schnellere, wirksamere und klarere Lösung des Problems 
der Entschädigungen für die zerstörten französischen Kohlen¬ 
gruben dar; diese Lösung hat auch noch den Vorzug, diese 
Gruben voll und ganz als Zahlungsmittel auf das allgemeine 
Reparationskonto zu benutzen. 
Gewisse Stellen Ihres Schreibens vom 13. scheinen eine un¬ 
genaue Auffassung des Sinnes und der Absicht mehrerer Ar¬ 
tikel zu verraten. 
In dem Vertrag besteht keinerlei Vermengung der Frage der 
Lieferungsverträge, deren Gegenstand die Ruhrkohle bilden soll 
(Anlage V zu Teil VIII), mit der Frage der Abtretung der Saar¬ 
gruben; beide Fragen sind wesentlich voneinander verschieden. 
Ihre Auslegung des § 36 der Anlage unterstellt als gewiß, 
daß diese Bestimmung ein Ergebnis zur Folge haben wird, das 
die alliierten und assoziierten Regierungen niemals ins Auge 
gefaßt haben. Um jede Möglichkeit eines Irrtums 
zu beseitigen und um die Schwierigkeiten zu 
vermeiden, die Sie für Deutschland hinsicht¬ 
lich seiner Fähigkeit, die in dieser Bestim¬ 
mung vorgesehene Zahlung in Gold zu leisten, 
befürchten, haben die alliierten und assozi¬ 
ierten Regierungen entschieden, diese Be¬ 
stimmung teilweise abzuändern; sie schlagen vor, 
den letzten Absatz dieser Bestimmung durch folgende Fassung 
zu ersetzen: 
„Deutschlands Verpflichtung zu dieser Zahlung wird von 
der Reparationskommission in Erwägung gezogen werden; 
zu diesem Zweck kann Deutschland in jeder von der 
Reparationskommission gebilligten Art eine erste Hypo¬ 
thek an seinem Kapital oder seinen Einkünften bestellen. 
Sollte indes Deutschland die Zahlung ein Jahr nach dem 
dafür festgesetzten Zeitpunkt nicht geleistet haben, so 
wird die Reparationskommission in Übereinstimmung mit 
den ihr vom Völkerbund erteilten Weisungen, nötigenfalls 
durch Liquidation des in Frage stehenden Teils der Gru¬ 
ben, die Angelegenheit ordnen.“ 
Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner 
ausgezeichneten Hochachtung. gez. Clemenceau. 
An Seine Exzellenz den Herrn Grafen Brockdorff-Rantzau, 
Präsidenten der deutschen Delegation, Versailles. 
28
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.