Full text: Die Entstehungsgeschichte des Saarstatuts

delegation nicht empfehlenswert, mit solchen Vereinbarungen 
so lange zu warten, wie es der Paragraph 38 des Annexes der 
Artikel 45 bis 50 der Friedensbedingungen vorsieht, nämlich 
bis zum Ablauf der 15 jährigen Besetzungsfrist, die für das 
Saarbecken in Aussicht genommen ist. 
ln diesem Zusammenhänge übersende ich Euerer Exzellenz 
in der Anlage einen Vorschlag, den die Sachverständigen der 
deutschen Delegation ausgearbeitet haben, mit dem Ersuchen, 
ihn den Sachverständigen der alliierten und assoziierten Re¬ 
gierungen zur Prüfung vorzulegen und mich mit einer Antwort 
darüber zu versehen, ob eine mündliche Erörterung des Vor¬ 
schlags in Aussicht genommen werden kann. 
Die deutsche Delegation würde nur dann beabsichtigen, den 
Vorschlag der Sachverständigen zu veröffentlichen, wenn die 
alliierten und assoziierten Regierungen ihrerseits darauf Wert 
legen sollten. 
Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner 
ausgezeichneten Hochachtung. 
gez. Brockdorff-Rantzau. 
An Seine Exzellenz 
den Präsidenten der Friedenskonferenz usw. 
Herrn Clemenceau. 
Anlage. 
Die Vorschläge der deutschen Sachverständigen. 
Die in Teil III, Sektion IV des Friedensvertrags vorge- 
schlagenen Maßnahmen, betreffend das Saargebiet, haben nach 
Artikel 45 zum wesentlichen Zweck, Ersatz zu leisten für die 
zerstörten Kohlengruben in Nordfrankreich und die von 
Deutschland verschuldeten Kriegsschäden. Nach Artikel 46 soll 
die volle Freiheit der Ausbeutung durch die im Kapitel 2 des 
Annex vorgesehenen Maßnahmen gesichert werden. 
Es handelt sich also darum, wirtschaftliche Interessen Frank¬ 
reichs zu befriedigen und sicherzustellen. In diesem Sinne könnte 
auch der § 38 des Annex aufgefaßt werden, vorausgesetzt, daß 
bei den dort erwähnten Abkommen zwischen Frankreich und 
Deutschland an Wirtschaftsverträge gedacht ist. Wir sind der 
Meinung, daß dieser Zweck durch andere als die oben erwähn¬ 
ten Mittel erreicht werden könnte, und zwar durch Mittel, die 
geeignet sind, die beiderseitigen Interessen in Einklang zu 
bringen. Wir schlagen demnach folgendes vor: 
1. Vom Standpunkt der Notwendigkeit, Frankreich mit 
Kohlen zu beliefern, erscheint es nicht zweckmäßig, die Saar¬ 
gebietsfrage ohne Rücksicht auf die im Teil VIII Annex 5 
erwähnten Kohlenlieferungen an Frankreich und einige seiner 
Bundesgenossen zu behandeln. Um den in Frage kommenden 
Interessen möglichst vollständig Rechnung tragen zu können, 
ist es notwendig, daß die folgenden Fragen beantwortet werden: 
a) Welche Mengen der verschiedenen Sorten kommen für 
die gesamte Kohlenlieferung zur Deckung des Inlands¬ 
bedarfs Frankreichs und Belgiens in Betracht? 
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