Full text: Wissen und Denken

86 V. Das Seelenhafte. Der Wissenserwerb. 
Funktion, wird die nicht tätig konstruiert? Seitens der 
Seele gewiß, aber nicht von „Ich". Ich schaue vielmehr in 
sozusagen blitzartiger Diskontinuität — (tatsächlich: zeitun- 
bezogen) — daß dieses bestimmte Gebilde „Ellipse“ mit 
seiner ganz bestimmten Definition im Rahmen des Geometri¬ 
schen ein möglicher Gegenstand ist, daß es im Sinne un¬ 
mittelbarer Gegenständlichkeit Ellipse „gibt“. 
So ist denn also nicht nur das „Lösen“ von als be¬ 
stehend geschauten Aufgaben, sondern das Bestehen der 
Aufgaben und der angeblich konstruierten Gegenstände, mit 
Rücksicht auf welche sie bestehen, selbst unserer Lehre vom 
schlichten Ich-haben eingereiht. 
8. Form und Inhalt. 
Die Erörterung angeblich „konstruktiver“ Begriffe bringt 
uns nun endlich noch vor die berühmte Frage, wie es komme, 
daß „Form“ und „Inhalt" zueinander „passen", daß, anders 
gesagt, auf die „Inhalte" alles Kategoriale einschließlich 
alles Mathematischen, populär gesprochen, „angewendet“ 
werden könne. Die Worte „Form“ und „Inhalt“ sollen 
hier natürlich nicht jenen allerallgemeinsten Sinn haben, 
der uns früher1) zum Begriff des „Gegebenen“ überhaupt 
geführt hat. Inhalt soll jede Setzung von der Art des Jetzt- 
Hier-Solches, Form soll jede Beziehung zwischen Setzungen 
von dieser Art bezeichnen. Das Empirisch-Wirkliche, das 
Naturwirkliche zumal, also steht zur Untersuchung, und da 
ist nun bekanntlich unsere Frage, wie die Form zum Inhalt 
„passe", von Kant grundlegend behandelt und, wie uns 
scheint, endgültig beantwortet worden, wenn auch seine Be¬ 
antwortung nicht frei von gewissen Unbestimmtheiten ist, die 
sich aus seinem Schwanken zwischen einem rein solipsistisch- 
l) s. S. 20 ff.
	        
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