Full text: Wissen und Denken

5. Verbesserbare und unverbesserbare (aprioristische) Begriffe. 73 
als für „immer“ verbindlich geschaut“. Oder anders: „Zwar 
abhängig von „Erfahrung“, wenn Erfahrung das bewußte 
Haben bedeuten soll, aber unabhängig vom Quantum 
der Erfahrung“ x). 
Wo also das Schauen der Grundordnungsformen in irgend 
einem Sachverhalt noch aussteht oder mangelhaft verwirklicht 
ist, da muß ich ihn mit dem Tone haben, daß noch nicht 
alles „in Ordnung“ ist, daß es noch einer Klärung bedarf; 
in diesem, aber nur in diesem Sinne* 2) darf von „Normen“ 
geredet werden. Um ein bewußtes Tun, um ein bewußtes 
Handeln „nach“-Normen handelt es sich durchaus nicht; von 
meiner Seele freilich, insofern sie „denkt“, darf ich sagen, 
daß sie „nach Normen handele“. 
Ganz Entsprechendes gilt auch für das Gebiet des Ethischen, 
das ja, ebenso wie etwa das Gebiet des Geometrischen, nur 
eine besondere Sphäre des allgemein Ordnungshaften ist: 
Ich schaue nach Maßgabe gewisser für mich als endgültig 
bestehenden sittlicher Sätze das Bestehen oder Nichtbestehen 
von Ordnung in meinen Willensinhalten, ich messe diese an 
der reinen ethischen Ordnungsform als „Norm“3); meine Seele, 
insofern sie im eigentlichen Sinne des Wortes „will“ (also 
nicht nur „denkt“), handelt nach den ethischen Ordnungs¬ 
formen als nach „Normen“. 
Ein Unterschied zwischen den eigentlich logischen und 
den ethischen Normen besteht freilich einmal deswegen, weil 
die zweiten sehr viel schemenhafter sind als die ersten. Zum 
besseren zu belehren, sondern um einen, der schon nach logischen Ge¬ 
setzen denkt, von der Unwahrheit einer vorliegenden Gedankenver¬ 
bindung zu überzeugen“. 
*) So habe ich schon 1904 in meinem Werke Naturbegriffe und Na¬ 
tururteile S. 31 das „Apriori“ definiert. 
2) Volkelt (Gewißh.u. Wahrh. S. 395) sagt mit Recht, der Begriff 
des Normativen hänge zusammen mit der Möglichkeit des Irrtums. 
3) s. Ordnungslehre S. 262 ff., Wirkliehkeitalehre S. 175 ff.
	        
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