Full text: Wissen und Denken

34 III. Naturordnungslehre und Seelenordnungslehre. 
trischen Studien aufstoßenden Setzung. Ich kann „mich“ 
vielmehr gerade bei ernstem mathematischen Forschen völlig 
„vergessen“, wie man wohl zu sagen pflegt. Aber der Zusatz 
Ich hohe, und er allein, ist jederzeit möglich. Und er ist 
notwendig, wenn ich z. B. die Axiome der Arithmetik oder 
Geometrie auf ihre Axiomennatur hin prüfe. „Habe ich da 
wirklich letztes Entgültiges?“, so muß ich alsdann fragen. 
Allgemein ergibt sich schon hier der Unterschied zwischen 
Sonder-Wissenschaften und Sonderteilen der Philosophie: 
In der Wissenschaft schalte ich das Ich habe aus, muß es 
freilich stets in Bereitschaft halten; es ist ein für alle¬ 
mal erledigt. In der Philosophie hat das Ich habe sich selbst 
bei jedem Schritt. Jederzeit kann ich, und zwar in jeder 
Wissenschaft, auch z. B. in Chemie und Geschichte, von 
Wissenschaft zu Philosophie übergehen. Um grundsätzliche 
Verschiedenheiten handelt es sich da nicht, nur um ein Mehr 
oder Weniger. 
III. Naturordnungslehre und Seelen- 
ordnungslehre. 
{Logik des empirisch Wirklichen.) 
1. Grundlegung. 
Im Gebiete der allgemeinen Ordnungslehre, d. h, im Ge¬ 
biete des im engeren Sinne Logischen und des Mathemati¬ 
schen, spielte dasjenige keine Rolle, was mit dem Worte Zeit 
bezeichnet zu werden pflegt; weder befand sich unter dem 
behandelten Gegenständlichen „Zeitliches“, noch war es nötig — 
und eben dieser Nachweis war ja der Zweck der ganzen 
Untersuchung — die Behandlung selbst irgendwie mit dem 
Begriff des Zeitlichen im Sinne einer Ich-Tätigkeit zu ver¬ 
knüpfen; das schlichte Ich habe bewußt genügte.
	        

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