Full text: Wissen und Denken

5. Die Freiheitsfrage. 
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5. Die Freiljeitsfrage. 
Das Freiheitsproblem1) gehört nicht in den Rahmen 
dieser Untersuchung, weder in seiner allgemeinsten Form, 
als Frage nach der Möglichkeit einer „Unbestimmtheit“ des 
Werdens überhaupt, noch als besonderes Problem der „Willens¬ 
freiheit“. Nur das eine mag im Zusammenhang mit den von 
uns hier behandelten Gegenständen an dieser Stelle gesagt 
sein, daß die Frage nach Freiheit in sinnvoller Weise über¬ 
haupt nur auftreten kann, wo es sich um Werden in irgend 
einer Form handelt. Nun handelt es sich beim Ich, wie wir 
wissen, nicht um Werden, sondern nur um Haben. Daraus 
aber ergibt sich die wichtige Einsicht, daß für Ich die Frage 
nach Freiheit oder Bestimmtheit ebensowenig auftritt wie die 
Frage, ob „Ich“ rot oder grün sei; nur für meine Seele, 
nicht aber für Ich, kann überhaupt sinnvoll nach 
Freiheit oder Bestimmtheit gefragt werden — eine schein¬ 
bar paradoxe, aber sich aus dem Gange der Untersuchung 
ohne weiteres ergebende Einsicht, 
IX. Rückblick. 
I. Die Urtatsaclie. 
Das Ich habe bewußt Etwas stand uns am Ausgange der 
Philosophie; das Etwas schloß Ordnung ein. Daß sich aller 
besondere Philosophiebetrieb, ja auch das Wissen des nicht¬ 
philosophischen Menschen diesem Ausgang einfügt, haben wir 
gezeigt. Haben ist die Urtatsache des Bewußtseins; Haben 
und nur Haben, nicht „Tun“. Auch was „Wissenserwerb“ 
genannt wird, ist eine bestimmte Art des Gehabten. Ich habe 
den Begriff Wissenserwerb, dem Ich mein Selbst oder meine 
') Vgl. Wirkiichkeiislehre S. 106 ff., das Problem der Freiheit (1917) 
und Kantsiudien Band 22 S, 114 ff.
	        

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