Full text: Die Krise des Idealismus

des Erlebens. In diesem Erlebnis sind freieste liu- 
endlichkeiteziige und Ordnungsfunktionen, höchste 
Aufgeschlossenheit und sicherste Bindung in wunder¬ 
barer und einzigartiger Weise miteinander verwoben. 
Diese universale Synthese weisen alle jene Prinzi¬ 
pien und Begriffe auf, mit deren Hilfe ein philosophi¬ 
sches System aufgebaut ist. Den stärksten Ausdruck 
und Beleg dieser ganz dialektischen Vereinheitlichung 
stellt Plalos Begriff der Idee dar, die vielleicht größte 
philosophische Gedankenschöpfung. Darum ist es 
ebenso zutreffend wie zugleich einseitig, in Plato nur 
den Vertreter einer Theorie der Erkenntnis oder nur 
einer Ethik oder nur einer Ästhetik oder nur einer Re¬ 
ligionslehre zu erblicken. Er ist das alles, aber alle? 
zusammen und auf Grund einer schlechthin unver¬ 
gleichlichen Synthese, einer Synthese von der höch¬ 
sten Universalität. Durch sie hat er den philosophischen 
Idealismus geschaffen u. z. sofort in einer Gestalt und 
in einer inneren und äußeren Weite, in die alle fol¬ 
genden Systeme bereits einbegriffen sind, und die die 
Voraussetzungen für die ganze folgende philosophi¬ 
sche Entwicklung darstellen. Diesen mehr-als-theore- 
tischen Charakter und Gehalt zeigen die Grundbe¬ 
griffe der Philosophie des Aristoteles, die Begriffe 
Form, Stoff. Bewegung, Zweck, ihn weist der Begriff 
der Substanz frei Descartes und bei Spinoza, ihn weist 
mit besonderer Deutlichkeit die Hauptidee der gan¬ 
zen sogen, spekulativen Philosophie Fiehtes, Schel- 
lings, Hegels, nämlich die Idee des Absoluten, ihn 
weist Schopenhauers Idee des Willens und Nietzsches 
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