Full text: Die Krise des Idealismus

aufhörlichen Bemühungen um eineu vernünftigen und 
gerechten Ausgleich zwischen den Gesetzen der Au¬ 
torität auf der einen und denen der Autonomie auf 
der anderen Seite, ln dem ununterbrochenen Wech¬ 
selspiel von Bindung und Freiheit, Gehorsam und 
Selbstverantwortlichkeit vollzieht sich die Selbstver¬ 
wirklichung des geschichtlichen Daseins. 
So bezieht sich der innerhalb der Philosophie und 
innerhalb der Wissenschaften auftretende, sozusagen 
nur intellektuelle Dogmatismus auf die Kraft und 
Geltung einer allgemeinen, sehr realen dogmatischen 
Geisteshaltung. Sie stellt den großen geschichtlichen 
Gegensatz zu den autonomen Plänen und Entschlüssen, 
den autonomen Ideen und Leistungen der Vernunft 
dar. in dem Wesen der geschichtlichen Vernunft, 
die in Millionen von Schöpfungen hervortritt, sind das 
autoritäre und das autonome Prinzip zu einer höch¬ 
sten dialektischen Einheit und zu einer schwer¬ 
sten dialektischen Polarität miteinander verbunden. 
Herrscht der Geist der Autorität, dann gilt jede Ge¬ 
gebenheit als eine verehrungsvoll hinzunehmende 
Realität. Deshalb ist dieser Geist eines und dessel¬ 
ben Wresens mit dem Geiste des Dogmatismus. Herrscht 
hingegen der Geist der Autonomie, dann ist jede Ge¬ 
gebenheit zunächst ein Problem, zunächst eine Auf¬ 
gabe. Deshalb ist dieser Geist eines und desselben 
Wesens mit dem Geiste der Kritik. 
b) Damit aber sind wir dazu gelangt und dafür 
vorbereitet, eine Antwort auf die zweite Frage zu 
geben (vgl. S. 176). Beruht der Realismus auf einer 
180
	        
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