Full text: Die Krise des Idealismus

eines Zusammenhanges, der in jedem Stück seine Gel¬ 
tung weniger der Kraft der logischen Konstruktion 
als seiner Beziehung zu den erfahrungsmäßig feststell¬ 
baren oder festgestellten Gegebenheiten verdankt. Die 
Durchführung dieses Vorgehens stellt dann das induk¬ 
tive Verfahren dar. Der Naturwissenschaftler der 
Gegenwart wendet alle Mühen darauf, rationale Er¬ 
wartungen und die Benutzung eines strengen logi¬ 
schen Formgefüges beiseite zu lassen, um die Gnvor- 
eingenotnmenheit seiner Beobachtung nicht zu beein¬ 
trächtigen. Zur Verwirklichung dieser Absicht ver¬ 
zichtet er auf jede allgemeine und allgemeingültige 
Theorie. Er huldigt keinem anderen Willen als dem 
Verlangen und der Erwartung, dem wirklichen Ge¬ 
schehen auf die Spur zu kommen, und er ist ganz von 
dem Wunsche erfüllt, seinem wissenschaftlichen Ver¬ 
halten einen streng „realistischen“ Charakter zu ge¬ 
ben. 
Damit nimmt er jedoch bewußt Abschied von der¬ 
jenigen Haltung und Methode, die dem Rationalismus 
der idealistischen Philosophie und überhaupt dem 
traditionellen Rationalismus eigentümlich waren. Für 
diesen galt als das Hauptziel seiner Arbeit die Auf¬ 
findung fester Gesetze und unverrückbarer Ordnun¬ 
gen des Seins. Das Gelingen dieser Absicht empfand 
er mit tiefem Stolz. Als entledige er sich einer alten 
Schuld. Von dieser Einstellung lösen sich aber die 
Naturwissenschaften der Gegenwart nach mindestens 
drei, jedoch schlechthin entscheidenden Richtungen 
ab. Der überlieferten Vorstellung des Raumes, ferner 
derjenigen der Zeit, drittens dem Begriff der Ursäch¬ 
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