Full text: Philosophie der Kunst

Kunst und Moral. 
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keinen Gedanken, der, da er etwas ist und nichts anderes denn 
das Erzeugnis seiner selbst sein kann, nicht als Erzeuger geistiger 
Wirklichkeit zu betrachten wäre: das versteht man unter prak¬ 
tischer oder tätiger Aktivität, das heißt unter Tun. Spricht man 
von unfruchtbarem Gedanken, von dem Gedanken, der sich nicht 
in Handeln umsetzt, so spricht man dem Gedanken selbst eine 
besondere Produktivität ab; man kann ihm aber nicht die ab¬ 
sprechen, durch die er zu sich selbst wird: mag er auch etwas sein, 
was nur geringen Wert hat, ist er doch etwas, das ohne diesen Akt 
des Denkens nie gewesen wäre. So sagt man auch, daß ein be¬ 
stimmter Gedanke nicht nur unproduktiv, sondern geradezu nichts 
ist. Und „nichts“ sagt man, weil er sinnlos ist, bar des logischen 
Wertes, den er haben müßte, obschon er, um sich beurteilen lassen 
zu können, notwendig etwas sein muß, dessen Ursache im Gedanken 
selbst als denkende Aktivität liegt. Relativ ist die Unproduktivität, 
die man dem Gedanken zuschreibt. Relativ bestimmten Wirkungen 
gegenüber, die sich von denen unterscheiden, die von Fall zu Fall 
von der denkenden Aktivität erzeugt werden. Und diese Wirkungen 
sind überlegen nur von einem Standpunkt aus, der demjenigen 
überlegen ist, auf dem der steht, der das eigene Tun in einem als 
unproduktiv bezeichneten Gedanken einschließt. Eine Überlegen¬ 
heit, die immer in einer größeren Konkretheit besteht. Der 
Denkende, der unwirksame Gedanken formuliert, abstrahiert von 
den Bedingungen, unter denen sein Gedanke sich verwirklicht, 
und mit denen er, um nicht später noch einmal von vorn anfangen 
zu müssen, alles zu einem einzigen Gedanken verknüpfen müßte. 
Es sind die Bedingungen, nach denen das Subjekt, das denkt, zum 
Beispiel das Subjekt ist, das auch Körper, und zwar nicht einzelner 
und besonderer, sondern natürlicher Körper ist; in ihm ist seine 
Universalität nicht unmittelbare Universalität, sondern Universali¬ 
tät, die man derart entwickeln muß, daß von der Wirklichkeit, die 
mittels des Gedankens entsteht, nicht der einzelne Körper des 
Denkenden noch die andern ausgeschlossen bleiben, die sich in der 
Natur begegnen, noch auch die Natur selbst in ihrer Totalität. Diese 
identifiziert sich zwar ihrerseits mit dem tätigen Subjekt, und es 
scheint daher, als arbeite sie gleichsam mit ihm zusammen und 
leihe ihm ihre unermeßlichen Kräfte, damit er seine Ziele er¬ 
reiche; aber sie tut es nur, soweit sie jene unendliche Natur ist, 
die sich nicht in ihre Teile zerlegt, nicht räumlich noch zeitlich, 
die aber Raum und Zeit und alle Teilungen ermöglicht, indem 
sie auf dem Grunde aller Teilungen bleibt, sie alle umfaßt und sie 
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