Full text: Philosophie der Kunst

Die Kunst, die Künste und die schöne Natur. 
1. 
Die Einheit und die Vielfalt der Sprache 
und der Akzent. 
Der Gedanke ist Kreis. Einheit, Vielfältigkeit, Einheit. Sub¬ 
jekt, Objekt, Subjekt: denn die verwirklichte Einheit des Subjekts 
mit dem Objekt ist wiederum Subjekt. So geschieht es ad oculos 
bei der physiologischen Ernährung, bei der die eingenommene 
Speise, hat sie sich einmal angeglichen, sich im Körper umsetzt und 
mit ihm, der neuer Speise bedarf, eins wird; so geschieht es bei der 
Entwicklung des Geistes, der immer arbeitet und immer arbeiten 
muß, da er ewig nicht nur Synthesis, sondern Synthesis der beiden 
Momente, daher jeder der beiden Momente und daher ewiges Sub¬ 
jekt ist. Mag der Gedanke, der zu denken vermag, sein, was er 
will, das Ergebnis wird niemals die Lösung jedes Problems und 
damit die vollständige Objektivierung des Subjekts sein. Das Sub¬ 
jekt wird sich wandeln, aber es wird immer Subjekt sein, dessen 
Aufgabe es ist, sich zu objektivieren. In diesem dauernden Kreis 
verwirklicht sich die Ewigkeit der Synthese, in der eben das Wesen 
des Geistes besteht. 
Diese Kreishaftigkeit erklärt die Möglichkeit der entgegen¬ 
gesetzten Blickpunkte, unter denen man jedes Element des geisti¬ 
gen Lebens darstellen kann, und die Notwendigkeit, diesen Gegen¬ 
satz zu überwinden. So kann sich die Sprache, die wir im letzten 
Kapitel des vorangegangenen Teils behandelten, darstellen und 
stellt sie dar als Vielfältigkeit (dem Wortschätze nach und gram¬ 
matikalisch) wie als Einheit. Und wer dabei stehen bleibt, nur 
ihre Vielfältigkeit zu untersuchen, verliert sich in den mechanisti¬ 
schen Begriff der Sprache, der ihm ihren geistigen Wert entgehen 
läßt. Wer sich aber aus Furcht vor dieser Mechanisierung und 
der daraus folgenden Tötung des Lebens der Sprache weigert, 
ihre Vielfalt in Untersuchung zu ziehen, der schließt sich in eine
	        

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