Full text: Philosophie der Kunst

Das Gefühl. 
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In jedem Falle müßte das Subjekt ohne dieses Gefühl als reiner 
Intellekt in der Welt des Möglichen umherirren; in der Welt des 
abstrakten Gedankens also, der frei von Widersprüchen und voll¬ 
kommen sein und doch nichts Wirklichem entsprechen könnte. 
Es bliebe in der Luft, ohne je auf festen Boden herabsteigen zu 
können. Das ganze denkbare Sein hat keine Dichte, die Dichte des 
Wirklichen, des Bestimmten, wenn es nicht durch das Subjekt hin¬ 
durchgeht, wo es den Prüfstein findet, mittels dessen man das Be¬ 
stimmte vom Unbestimmten zu unterscheiden vermag, das, was man 
denkt und was besteht, von dem, was man denkt, und was auch 
nicht bestehen könnte. 
In dieser Lehre vom Urgefühl ist das Cartesianische Motiv 
vom Problem der Gewißheit und das Kantsche Motiv vom Problem 
der Erkenntnis enthalten, die auf den Gegenstand der Erfahrung 
beschränkt und unfähig ist, sich von sich aus in das Bereich des 
Übersinnlichen zu erheben. Und dieses Motiv, das beständig in der 
modernen Philosophie auftritt,ls) läßt auch Rosmini die Problem¬ 
lösung im Subjekt suchen, das sich nicht mehr mit der einfachen 
Wahrheit zufrieden gibt, sondern die Gewißheit der Wahrheit will. 
Hinsichtlich des Intellekts glaubt daher Rosmini noch, die Grund¬ 
lage seiner Wahrheit außerhalb des Subjekts suchen zu sollen und 
zu können; er setzt deshalb als außerhalb des Intellekts befindlich 
die Idee des Seins, deren unmittelbare Erfassung die Form des 
menschlichen Intellekts bildet. Dieser gewinnt daher nicht aus sich 
selbst die lichtvolle Idee, die den ganzen Gedanken und im Ge¬ 
danken die ganzeWirklichkeit erleuchten wird, sondern für Rosmini 
ist ein so gebildeter Intellekt ohnmächtig, in die harte und wider¬ 
setzliche Wirklichkeit einzudringen, die es doch zu erhellen gilt. 
Und er würde sich ihr nicht einmal annähern, wenn sich in dem 
Subjekt eine einzige Einheit zwischen ihm und dem Gefühl ver¬ 
schmölze, die nichts Objektives an sich hat, sondern vielmehr dem 
Subjekt zugehört. Dem Subjekt, das eben diese bestimmte Seele 
insoweit ist, wie es andererseits eben dieser bestimmte Körper ist, 
ein Subjekt, beschlossen in seiner besonderen Individualität. Denn 
der Körper ist bestimmt vollkommen einzigartig, und der Körper 
bildet als Inhalt des Urgefühls dieses Urgefühl. Dieses aber be¬ 
fähigt das Subjekt, die Wirklichkeit zu erfassen und sich auf sie 
zu stützen. Gefühlter Körper also: obiectum mentis, wie Spinoza 
sagt, jener mens, die in ihrer Zugehörigkeit zum unendlichen 
18) Über dieses Problem der Gewißheit in der modernen Philosophie siehe 
meine „Studi Vichiani“ 2, Florenz, Le Monnier 1927, S. 40.
	        

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