Full text: Hans Driesch

statistischer Mechanik, sondern stellt eine eigenartige Spielraumgesetflich- 
keit dar, welche das steuernde Eingreifen „höherer Potenzen und Faktoren“ 
ermöglicht. 
„Entelechie“ bedeutet für midi nidit etwa ein im Organismus vorhan¬ 
denes beständiges Ding und Wesen, sondern ist ein abkürzender Ausdruck 
für das Integral der im lebenden Organismus tätigen Rieht-, Form- und Ent- 
ivicklungskräfte. Nur im Organismus (Pflanze und Tier), nidit im Kristall, 
müssen wir eine schaffende Zentralgewalt fingieren, die auf Erhaltung und 
Steigerung in Wechselwirkung mit der Umwelt bedacht ist; diese Zentral¬ 
gewalt können wir uns kaum anders als seelisdi geartet vorstellen; daher 
auch Driesdi’s Psydioid-Entelediie. Hierin treffe ich durdiaus mit Driesch 
zusammen — desgleidien audi mit allen anderen Neovitalisten (wie Eridi 
Becher), die einen verborgenen Körperwillen annehmen, welcher der 
Willenskraft bewußten Lebens analog vorgestellt werden kann. „Ente- 
lediie“ ist mithin für die Wissenschaft ein Grenzbegriff, der nidits erklärt, 
sondern im Grunde nur für dieFragestellung sinnvoll ist: Wie macht es die 
Entelechie des lebenden Körpers, diese oder jene Pläne zu verwirklidien 
und bestimmte Ziele zu erreichen?20 
Inbezug auf Sdiopenhauers Behauptung, daß keine Grenze in der Natur 
so scharf gezogen sei wie die zwischen Leblosem und Lebendigem, Anorgani¬ 
schem und Organischem, besteht bei Driesch und bei mir übereinstimmende 
Bejahung, tro§ der Resultate der Virusforschung. (Eine Virusform ist ent¬ 
weder eine Molekel ohne Stoff- und Energiewechsel oder ein Lebewesen mit 
Stoff- und Energie Wechsel; ein Zwischenglied erscheint mir undenkbar.) 
20 Führt man den Entelechiebegriff in positivistischer Weise auf seine reine 
Erfahrungsgrundlage zurück, so läßt sich diese in den Satj fassen: In allen Lebe¬ 
wesen geschehen viele Vorgänge (schließlich auch zu Handlungen führend), die sich 
physikalisch und chemisch nicht hinreichend beschreiben lassen, vielmehr eine 
Obergesetjlichkeit erkennen lassen, die sich der physikalischen und chemischen 
Gesetjlichkeit überlagert. 
207
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.