Full text: Hans Driesch

also kann jedenfalls nicht die Rolle der Innendimension spielen 
(im übrigen ist ja der Organismus nicht nur eine Zeitgestalt, son¬ 
dern eine Rau/u-Zeit-Gestalt. Und diese Raumzeitgestalt mag man 
als Entwicklung, Entfaltung des „Innen“ ansehen). Wenn das Innen 
als eine höhere Dimension angesprochen werden soll, so wie das 
Innen der Weylschen Elemente, dann ist es weder eine räumliche 
noch eine zeitliche Dimension, sondern eine „Dimension“, in die 
das Leben hineinreicht, in die es hinein oder aus der es herausge¬ 
staltet, so, daß das Raum-Zeit-Kontinuum gegenüber dem physikali¬ 
schen „deformiert“ wird36. Aber wenn man dann von der Ordnung 
des Lebens als einer „hochdimensionalen“ spricht, dann ist das 
Innen dasjenige, was die vierdimensionale Erscheinung der Ord¬ 
nung erst verwirklicht; seine Wirkungen stellen wir uns vor als 
einer höheren Dimension entstammend als denjenigen, in denen 
es erscheint; aber es ist nicht selbst eine Dimension, weder eine 
räumliche noch eine zeitliche, aber auch nicht eine quasiräumliche, 
denn Dränge und Ideen sind überhaupt keine Dimension, — eine 
Dimension ist immer schon eine kontinuierliche Mannigfaltigkeit 
und nicht etwas Gestaltendes, sondern ein „Raum“ erst für die 
Gestaltung. So einleuchtend also das Bild der Weylschen „Rinne“ 
für die Weltlinien der physikalischen „ontonischen Zentren“ ist und 
so anschaulich das Bild für den Kraftfluß einer Kraftquelle, die 
einer „Überdimension“ entspringt, auch ist: das Innen, aus dem 
heraus die Lebenserscheinungen quellen sollen, ist schlechthin un- 
räumlich — und das meint auch Woltereck —, es ist auch nicht 
quasiräumlich, es ist selbst keine Dimension, es wirkt nur in die 
Dimensionen der Raum-Zeitwelt hinein, wie wenn es aus einer an¬ 
deren Dimension käme, aber das ist nur mehr ein bildlicher Aus¬ 
druck und auch Friedrichs sollte seinem eigenen Satj treu bleiben, 
daß die Innendimension nicht einer vierten oder richtiger fünften 
38 Am Grundsätzlichen dieser Gedanken ändert sich auch nichts, wenn wir uns 
schon für die Physik auf den Standpunkt eines Spielraums von Freiheit stellen. 
Dann ist eben die makrophysikalische Weltfläche nur der Rahmen für die nach 
Wahrscheinlichkeitsgesetjen zu erwartende Ereignismannigfaltigkeit; die Gesamt¬ 
heit der Möglichkeiten würde eine höhere Mannigfaltigkeit fordern und der 
Lebensfaktor träfe unter der Mannigfaltigkeit von Möglichkeiten eine vier¬ 
dimensionale Auswahl, indem er je eine Möglichkeit von der Potentialität zur 
Aktualität übergehen und „wirklich“ werden läßt; die so entstehende Weltfläche 
stellte gegenüber der Rahmenfläche als der wahrscheinlichsten eine Deformation 
dar. — Audi an einen Vorschlag des Verfassers in „Wissenschaft und Weltan¬ 
schauung“ darf in diesem Zusammenhang erinnert werden. Wenn die determi¬ 
nierte Welt durch eine vierdimensionale Weltfläche vorgestellt wird, so müßten 
Handlungen aus Willensfreiheit längs der Weltlinie unseres Leibes durch Defor¬ 
mationen in eine fünfte Dimension hinein vorgestellt werden. Soll die Weltfläche 
nur das anorganische Geschehen darstellen, und so ist es in der Physik gemeint, 
so würden schon entelechiale Veränderungen Deformationen in eine fünfte 
Dimension hinein sein. 
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