Full text: Hans Driesch

von einem „Psydhoid“, besonders wenn er die Leistungen des In¬ 
stinktes, die sinnvollen Verhaltungs- und Handlungsweisen, Ak¬ 
tionen und Reaktionen der Lebewesen meinte. Es ist damit die 
noch zu erörternde Frage aufgeworfen, ob wir zwei Schichten ein 
und derselben Entelechie annehmen sollen. Aber „seelenartig, 
psychoid“, „seelenähnlich“ ist das Wesen der Entelechie doch auch 
als Oberbegriff. Und mit dem seelen„artig“ und -„ähnlich“ soll sich 
von vornherein nicht der abwertende Sinn einer Minderwertigkeit 
gegenüber unseren seelischen Fähigkeiten verbinden, sondern in 
mancher Hinsicht sogar der einer Überlegenheit. Was hindert uns 
statt der vorsichtig ausweichenden Prägungen gleich „psychisch“, 
„seelisch“ zu sagen und statt von Entelechie von Seele oder Lebens¬ 
seele zu sprechen? 
G. Wolff hat in seinem Beitrag zuin Lebensproblem im Rahmen 
seiner Arbeit über „Leben und Seele“ die Unterscheidung von 
psychoid und psychisch28 dadurch zu rechtfertigen gesucht, daß er 
die „offenkundige Analogie der organischen Zweckmäßigkeit mit 
unserem zweckmäßigen Handeln“ nur als ein „Als-ob“ gelten läßt, 
wobei er sich auf Kants „Kritik der Urteilskraft“ beruft. Aber ge¬ 
rade bei Kant scheitert dieses „Als-ob“. Es ist sicher nicht gemeint 
im Sinne einer Vaihingerschen Fiktion, einer bewußt unrichtigen, 
oder absichtlich willentlichen Setjung oder Annahme, sondern wir 
müssen die Zweckmäßigkeit als „regulative Idee“ betrachten, wenn 
wir das Leben „verstehen“ wollen; nur einen Rang einer erfahrung¬ 
stiftenden („konstitutiven“) „Kategorie“ wollte, wie schon ausge¬ 
führt, Kant dieser Betrachtung nicht zuerkennen, während E. v. 
Hartmann und Driesch mit Recht die Finalität als gleichberechtigt 
mit der Kausalität anerkannten, und das ist ja schließlich auch 
Wolffs eigene Meinung8. Kants „Als-ob“ drückt also nicht so sehr 
eine Reserve gegen die Zweckbetrachtung des Organischen als viel¬ 
mehr eine Reserviertheit gegen die Zweckbetrachtung als notwen¬ 
dige Voraussetjung von „Erfahrung“ aus; sie ist aus seiner Kate¬ 
gorientafel schon aus formalen Gründen ausgeschieden und das 
hängt wieder zusammen mit deren Herleitung aus der Urteilstafel, 
einer heute wohl allgemein als unglücklich und unverbindlich be¬ 
trachteten äußerlichen Herleitung. Übrigens möchte ich bei dieser 
Gelegenheit einmal als meine Überzeugung aussprechen, daß die 
Kantischen Kategorien der Relation gar nicht in der Urteilstafel 
ihren eigentlichen Ursprung haben, sondern daß Kant die drei New- 
tonschen Axiome vorschwebten. Der Erhaltung der Trägheit, der 
trägen Masse, die durch das erste Axiom definiert wird, entspricht 
S. 325. 
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