Full text: Hans Driesch

seinem „Organologischen Weltbild“ entwickelt hat und der Driesch, 
der immer Aufgeschlossene, sehr empfehlende Worte gewidmet hat. 
Kurz, die Entwicklung vollzieht sich im Sinne der Bildung von rela¬ 
tiv selbständigen Teilganzheiten mit Sonderaufgaben und auch die 
einzelnen Organe bauen sich wieder nach diesem Prinzip auf. Worauf 
es uns hier ankommt, ist, zu betonen, daß es mit der an sich schon 
rätselhaften Zellteilung nicht getan ist, sondern daß die Morpho¬ 
genese höhere Bildungsgesetje fordert. Die Formbildung selbst führt 
zur Verwirklichung topologischer Gebilde und von einer Fülle von 
Raumgestalten, deren Erörterung weit ins Mathematische hinein¬ 
reichen würde und zu denen Hermann Friedmann ein reiches, noch 
nicht genügend beachtetes Material vorgelegt hat.Ob dieBeauftragung 
durch Weckung immanenter Potenzen erfolgt oder durch Verleihung 
derselben, das ist die Frage nach dem Träger, nach dem Subjekt, 
dem „Regisseur“: Ist dieser der Substanz immanent oder steht er 
über ihr? Und mit dieser Frage gekoppelt ist die andere: Ist diese 
Bildung vom Allgemeinen zum Besonderen hin auf Grund eines 
vorweggenommenen Planes nicht wesensgemäß als psychisch anzu¬ 
sprechen, d. h. ist die Entelechie oder wie immer man den aktiv 
vitalen, aktualisierenden Faktor nennen möge, den man so oft mit 
einem Künstler verglichen hat, nicht als im weiteren Sinne psychi¬ 
sches Subjekt anzusprechen? Dieser Frage wollen wir uns zuerst zu¬ 
wenden. 
3. Das WTesen der Entelechie — Entelechie, Psychoid, Psyche 
Driesch hat die Entelechie zwar eingeführt als den ganzheit¬ 
machenden „Naturfaktor“, der gerade die Lücke in der Kausalität 
zu schließen hat, die entsteht, wenn man die physikochemische 
Kausalität als unzureichend für die Erklärung des organischen Ge¬ 
schehens erweist; aber wir sagten schon des öfteren, sie ist nicht 
gemeint und kann nicht gemeint sein nur als Naturfaktor, der be¬ 
wirkt, daß das Geschehen „anders“ läuft, als nach physikochemi¬ 
schen Gesehen zu erwarten wäre, auch nicht nur als ganzheitliche 
aber selbst sinnfreie Kausalität, nicht also als Faktor, der nur inso¬ 
fern teleologisch zu betrachten wäre, als er das Ziel einer ganzheit¬ 
lichen Ordnung und Formung schlechthin in sich trägt und erwirkt 
(etwa wie ein Katalysator, der auch Naturfaktor genannt werden 
könnte, der ein anderes als das ohne seine Anwesenheit ablaufende 
Geschehen einleitet und der ganzheitstiftend genannt werden 
müßte, wenn er ganzheitschaffende Gesetje auslöst). Der „entele- 
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