Full text: Über die Freiheit

seine Vertreter um so mehr zu fürchten, als sie sich 
nur fügsame Werkzeuge dieses vorgeblichen Willens 
nennen und über die notwendigen Gewalt- und Ver¬ 
führungsmittel verfügen, in denen sie seine Kund¬ 
gebung in dem Sinne sichern, der ihnen zusagt. Was 
kein Tyrann in seinem eigenen Namen zu tun wagte, 
das rechtfertigen diese Leute mit der unbegrenzten 
Weite der gesellschaftlichen Macht. Die Vergrösse- 
rung ihrer Befugnisse verlangen sie vom Besitzer die¬ 
ser Macht, vom Volk, dessen Allgewalt nur dazu 
dient, ihre Übergriffe zu rechtfertigen. Die unge¬ 
rechtesten Gesetze, die unterdrückendsten Einrich¬ 
tungen sind verbindlich als Ausdruck des allgemei¬ 
nen Willens. Denn da die Einzelmenschen, wie 
Rousseau sagt, alle zugunsten des Gesellschaftskör¬ 
pers entrechtet worden sind, können sie keinen an¬ 
dern Willen haben als diesen allgemeinen Willen. 
Indem sie ihm gehorchen, folgen sie sich selbst und 
sind um so freier, je blinder sie ihm gehorchen. So 
sehen wir in allen Geschichtsabschnitten die Fol¬ 
gen dieses Systems zu Tage treten; in ihrer ganzen 
erschreckenden Ausdehnung haben sie sich indessen 
vor allem mitten in unserer Revolution entfal¬ 
tet: sie haben den geheiligten Grundsätzen viel¬ 
leicht nie wieder zu heilende Wunden geschlagen. 
Je volkstümlicher die für Frankreich vorgesehene 
Regierung war, desto tiefer gingen diese Wunden. 
Es wäre ein leichtes, mit zahllosen Zitaten zu bewei¬ 
sen, dass die unsinnigsten Behauptungen, welche die 
wildesten Apostel der Schreckenszeit unter den empö¬ 
rendsten Verhältnissen auf gestellt hatten, ganz folge¬ 
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