Full text: Über die Freiheit

berauben gestatten. Ich erinnere mich, dass man im 
Jahre 1802 dem Gesetz über die Sondergerichte einen 
Artikel beifügte, der in Frankreich das griechische 
Scherbengericht einführte. Gott weiss, wieviele wort¬ 
gewandte Redner jenen — schliesslich doch zurück¬ 
gezogenen — Artikel befürworteten und uns von 
der Freiheit der Athener und von allen den Opfern 
sprachen, welche die Einzelnen zur Bewahrung eben 
dieser Freiheit zu bringen hätten! Etwas Ähnliches 
trug sich in jüngster Zeit zu, wo ängstliche Behör¬ 
den mit zaghafter Hand versuchten, die Wahlen in 
ihrem Sinne zu lenken. Da beantragte nämlich eine 
Zeitung, die gar nicht von republikanischem Geist 
angesteckt ist, die römische Zensur wieder aufleben 
zu lassen und so die gefährlichen Bewerber auszu¬ 
schalten. 
Ich glaube nicht unnötig abzuschweifen, wenn 
ich, um meine Behauptung zu stützen, ein paar Worte 
zu diesen so sehr gerühmten Einrichtungen sage. 
Das Scherbengericht der Athener beruhte auf der 
Annahme, dass der Gesellschaft alle Macht über ihre 
Glieder zustehe. Unter dieser Annahme Hess es sich 
rechtfertigen, und in einem Staat, wo der Einfluss 
eines an Geld, Anhängerschaft und Ruhm mächtigen 
Mannes oft die Gewalt der Masse im Gleichgewicht 
hielt, mochte das Scherbengericht einen Anschein 
von Nützlichkeit erlangen. Bei uns jedoch haben die 
einzelnen Menschen Rechte, welche die Gesellschaft 
achten muss, und die Einwirkung eines Einzigen geht, 
wie ich es schon bemerkt habe, in einer Menge glei¬ 
cher oder grösserer Einwirkungen unter, so dass jede 
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