Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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war. Hier zogen sich die Verhandlungen nutzlos in die Länge; 
denn an eine friedliche Schlichtung des Conflicts war nicht zu 
denken, da ja keine Partei irgendwelche Zugeständnisse gemacht 
haben würde. 
2. Die Schlacht bei Westkappel. 
Schon hatten aber die Söhne der Gräfin, Veit und Johann 
von Dampierre, im Bunde mit den Edlen Flanderns nicht nur 
aus diesem Lande ein Heer gesammelt, sondern auch aus den 
angrenzenden Gebieten Frankreichs, Picardie, Poitou und Bur¬ 
gund J) war eine so grosse Zahl Bewaffneter ihnen zu Hilfe 
geeilt, dass ein Chronist, welcher diesen Ereignissen ferner 
stand, nicht sowohl von einem flandrischen, als vielmehr einem 
französischen Heere spricht1 2). Aber wenn auch eine noch so 
grosse Anzahl Bitter und Knechte, durch den hohen Sold, 
welchen Margaretha ihnen versprach3), veranlasst, in Flandern 
zusammenkam, so dürfen wir dennoch den Angaben des Chro¬ 
nisten, dass das Heer der Gräfin aus 150000 Mann bestanden 
habe, durchaus keinen Glauben schenken; denn w ie überhaupt 
auf mittelalterliche Angaben über die Stärke der Heere wenig 
Gewicht zu legen ist, so dürfen wir diese Angabe über das 
Heer einer verhältnismässig nicht mächtigen Gräfin, wenn es 
auch noch so sehr durch Fremde verstärkt war, um so mehr 
bezweifeln4). Ebenso wenig wissen wir über die Streitkräfte 
1) Melis, Sloke bei Böhmer, Font. II, 420 v. 1002 —12; Guise XV, 
142. Chronicon Ilannoniense, quotl dicilur Balduini Avennensis, SS. XXV, 
461, 9. 10. 
2) Matth. Par. Durch diese Erzählung des Matlh. Par. gewinnt 
wiederum die des Guise, dass aus französischen Gebieten viele Ritter 
den Flandrern zu Hilfe gekommen seien, an Glaubwürdigkeit. Matth. 
Par. hörte, dass eine grosse Anzahl Franzosen gegen Wilhelm gekämpft 
hätten und machte daraus einen Krieg Frankreichs gegen Deutschland. 
3) Stoke bei Böhmer a. a. O. 420 v. 7. 
4) Gar keine Beachtung dürfen wir aber dem Matth. Par. schenken 
an der Stelle, wo er über die Grösse dieses Krieges spricht (V, 438). 
Denn dort lässt er nicht nur die Herzoge von Brabant, Limburg, Braun¬ 
schweig, sondern ausser andern sogar den König von Böhmen, den Her¬ 
zog von Polen und selbst Konrad IV'. den König Wilhelm in diesem 
Kampfe unterstützen: dies wirft gerade nicht das günstigste Licht auf 
den englischen Chronisten.
	        
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