Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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der Sonntag Invocavit, der 29. und 9. März 1253 — nach 
unserer Zeitrechnung. Ohne Zweifel haben wir also die Ver¬ 
handlungen zu Rupelmonde nur kurze Zeit nach dem 29. März 
1253 anzusetzen und zwar ist mit Rücksicht auf die (belgische) 
Jahreszahl 1252 der terminus ad quem der 20. Apr. — Ostern1). 
Übrigens müssen die Verhandlungen von Margaretha oder 
ihren Abgesandten einer- und von Florentius andererseits 
gehalten sein, da König Wilhelm selbst sich Anfangs April 1253 
noch in Holland befand: damit stimmt dann wiederum sehr 
gut, dass Florentius selbst die Artikel vorlegte, wie das Proto¬ 
koll sagt1 2). Erst gegen Ende des Monats kam der König nach 
Brabant, und nun wurden mit ihm die Verhandlungen fort¬ 
gesetzt zu Antwerpen 3), wohin Margaretha ebenfalls gekommen 
1) Sattler 46 setzt diese Verhandlungen in den Anfang Juni 1252 
aus dem Grunde, weil es völlig undenkbar sei, dass „man nach dem 
Spruch von Frankfurt im Juli 1252 in einer derartigen Conferenz gar 
keine Rücksicht auf denselben genommen hätte, dass zu einer Zeit, wo 
die Gegensätze bereits bis auf die Spitze getrieben waren, und beide 
Teile ein Heer gegen einander gerüstet hatten, wo von Seiten Hollands 
gar keine Rechte Flanderns auf Seeland anerkannt wurden, dass zu 
einer solchen Zeit noch derartige Punkte zur Erörterung gebracht wur¬ 
den“. Aber Margaretha konnte ja dem Rechte nach gegen den Frank¬ 
furter Spruch nicht einschreiten. Da Wilhelm ihr wegen Seeland nicht 
gehuldigt hatte, so hatte sie dem Könige ebenso wegen ihrer Reichs¬ 
lehen nicht gehuldigt. Dadurch halte sie wissentlich sich der Felonie 
schuldig gemacht; Verhandlungen konnten also hierüber kaum noch 
stattfinden. Dass aber gerade solche Punkte, wie sie in der Conferenz 
erörtert sind, unmittelbar vor Ausbruch des Kampfes wirklich erörtert 
wurden, ist erklärlich durch die Bemühungen des Herzogs von Brabant 
um die Erhaltung des Friedens und aus der allgemeinen Erfahrung, dass 
die Gegner unmittelbar vor Ausbruch eines Kampfes sich gerade solche 
Kleinigkeiten, welche hier zur Besprechung kommen, vorzuwerfen und 
die Hauptsache ausser Acht zu lassen pflegen. 
2) Artikel 3. 
3) Apr. 26. ist Wilhelm hier anwesend, Reg. 191. Dass hier Ver¬ 
handlungen slatlfandcn, bezeugt die holländische Reimchronik Stokes bei 
Boehmer, Font. II, 421, v. 1039 lf.: De coninc was ten selven stonden — 
Alse ict hebbe ondervonden — Te rechter waerheit in Brabant — Tote 
enen parlemenle, und v. 1066. 67: Dil was gheseit den coninc — Tote 
Antwerpen daer hi lach, und Guise XV, 144.
	        
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