Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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Dass Wilhelm, der nur durch des Papstes Fürsprache und 
Unterstützung gewählt, sich nur durch päpstliche Gelder in 
Deutschland halten konnte, ihm solche Versprechungen machte, 
und dass Innocenz IV. sich solche Versprechungen machen 
liess, welche von Wilhelm grösstenteils gar nicht erfüllt werden 
konnten, würde unsinnig erscheinen, wenn wir nicht darin die 
schlaue Politik des Papstes erkennen könnten. Sich selbst lässt 
er Gehorsam schwören, aber Schutz lässt er versprechen für 
die Besitzungen der Kirche, er lässt diese Besitzungen einzeln 
namhaft machen: ohne Zweifel aus dem Grunde, damit er und 
seine Nachfolger sich auf diese Urkunde stützen könnten, wenn 
es sich um den Besitz der Kirche handelte. Dass Wilhelm, 
welchen Innocenz selbst einmal in einer an den Erzbischof von 
Mainz gelichteten Urkunde1) planlam nostram nostrisque mani- 
bus consitam nennt, ihn mit Truppen oder Geld nicht unter¬ 
stützen konnte, musste er ebenso gut wissen, wie jener; viel¬ 
leicht hoffte er aber noch auf eine künftige grössere Macht- 
entfaltung seines Schützlings. Um aber wenigstens einen Er¬ 
satz für die grossen Summen, welche er für ihn aufgewandt 
hatte, zu haben, liess er sich diese Urkunde von Wilhelm aus¬ 
stellen, wodurch er, wenn nicht augenblicklich sich selbst, so 
doch für spätere Zeiten seinen Nachfolgern einen grossen Nutzen 
verschaffen konnte. 
Wie die Verteidiger Aachens und Kaiserswerths hielten 
auch die Ingelheims die Belagerung mulliig aus. Indessen 
scheint doch die Besatzung nicht so bedeutend gewesen zu sein, 
als die der beiden anderen Orte, und da, wie wir gesehen, 
viele Hilfstruppen neuer Anhänger den König unterstützten, so 
gelang es, am Palmsonntag, den 28. März 1249, die Burg nach 
etwa anderthalbmonatlicher Belagerung mit Sturm zu nehmen1 2). 
Aber ein schwerer Verlust hatte den König getroffen. Der 
Erzbischof Siegfried von Mainz, welcher, wie oben erwähnt, 
bei der Belagerung Ingelheims persönlich im königlichen Lager 
verweilte, wurde während derselben Ende Febr. krank und 
1) Böhmer, Reg. imp. 1246 —1313, S. 323. nr. 137. 
2) So das Chrou. Erf. M. G. SS. XVI, 36, 51. 52.
	        
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