Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

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principibus zum römischen König erwählt, wie ich durch einen Brief 
des Königs und des Cardinais Peter von St. Georg genau erfahren 
habe“ *). Ob Böhmer die Echtheit dieses Briefes mit Recht angezweifell 
hat, wollen wir vorläufig nicht näher untersuchen; nehmen w ir aber an, 
dass Innocenz den Brief wirklich so verfasst hat, wie er uns vorliegt, 
so hat er, offenbar um auch in Italien die Zahl seiner Anhänger zu 
vergrössern — denn er trug dem Rector die Weiterverbreitung der 
Nachricht auf —, die Vorgänge bei der Wahl Wilhelms vollkommen 
entstellt. Denn selbst wenn damals schon Kurfürsten — das sind die 
principes, qui in electione Cesaris jus habere noscuntur — von den 
celeris principibus applaudentibus unterschieden wurden, so ist es doch 
völlig unwahr, dass Wilhelm communi voto der Kurfürsten gewählt 
wurde, da von denselben doch nur die drei rheinischen Erzbischöfe an¬ 
wesend waren. Andererseits unterscheidet aber, wie wir oben gesehen, 
unsere Hauplquelle nicht zwischen Kurfürsten und den übrigen Fürsten: 
die 3 rheinischen Erzbischöfe stehen mit dem von Bremen und dem 
Herzog von Brabant auf gleicher Stufe. Wenn eine Trennung zwischen 
den Fürsten wirklich stattgefunden hätte, so hätte unser Annalist dieses 
gew iss gewusst und erwähnt, und so glaube ich grade hier aus dem 
„Nichterwähntwerden“ auf das Nichtbestehen schliesen zu dürfen. Man 
stellte bei Wilhelms Wahl noch alle Fürsten einander gleich. Das ist 
ein Punkt, wodurch die Echtheit des päpstlichen Briefes erschüttert 
wird, ein anderer ist die „electio Cesaris“, von der der Brief spricht; 
denn bekanntlich wurde nur der römische König, nicht aber der Kaiser 
„gewählt“. Endlich ist zu beachten, wie auch Böhmer bemerkt, dass 
dieser Brief, da die Wahl am 3. October stattfand, sogleich auf die erste 
Nachricht von Wilhelms Erwählung geschrieben sein müsste, da er das 
Datum October 1247 trägt. Ob durch diese drei Gründe, welche gegen 
die Echtheit des Briefes sprechen, die Unechtheit desselben als erwiesen 
angesehen werden darf, ist wohl kaum zu entscheiden. Auf keinen Fall 
dürfen wir aber den Brief als Quelle füi die Wahl Wilhelms betrachten. 
1) Ein Schreiben dieses Inhalts ist uns weder vom König noch vom 
Legaten erhalten.
	        

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