Full text: Geschichte des römischen Königs Wilhelm von Holland

Stelle, wo er »her deutsche Verhältnisse berichtet, seine Unwissenheit 
durch allgemeine Wendungen zu verdecken sucht. Er weiss auch hier 
nur eins genauer, nemlich dass die Wahl durchaus nicht von allea 
deutschen Fürsten gut geheissen ist, dass z. ß. der Herzog von Sachsen 
nicht zugestimmt hat. Dies führt er gleich darauf an: dux tarnen Saxo- 
niae et quidam alii inagnates huic eleclioni non consenserunt. 
Fast in derselben Zeit, wie Matth. Par. schrieb auch der Abt Menco 
von Floridus hortus in Friesland seine Chronik. Er gibt über die Wahl 
Wilhelms eine Erzählung, welche, wie Weiland in seiner Ausgabe in 
den Scriplores sehr richtig bemerkt, unwahr und aus Interesse für die 
päpstliche Partei entstellt ist. Zur Begründung dieser Ansicht führe ich 
an, dass er berichtet, „alle Bischöfe und Fürsten ganz Deutschlands 
kamen einmüthig zusammen und niemand fehlte, ohne sich durch einen 
sicheren Boten oder schriftlich entschuldigen zu lassen und seine Zu¬ 
stimmung zu schicken. Die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln 
und sehr viele Bischöfe waren bei der Wahl anwesend, die übrigen 
Fürsten, ad quos spectat eleclio, waren, wie gesagt, anwesend oder liessen 
sich schriftlich entschuldigen“. Einer besonderen Widerlegung bedarf 
diese Erzählung, nachdem die wirklichen Verhällrisse, * welche bei der 
Wahl obwalteten, oben dargelegt sind, nicht mehr. 
Ebenso wenig brauchen wir auf den Bericht des mehr als 100 Jahre 
später schreibenden Beka, dass electores convenientes Wilhelm zum 
König gewählt hätten, nicht mehr näher einzugehen. Die Ansicht, 
welche Böhmer1) über diesen Schriftsteller geäussert hat, dass derselbe 
nemlich zum Teil sagenhafte und nach den Vorstellungen seiner späteren 
Zeit amplificierte Nachrichten gebe, ist also meiner Meinung nach zum 
Teil schon auf die nur wenige Jahrzehnte nach Wilhelms Wahl schrei¬ 
benden Chronisten und Annalisten anzuwenden; schon die Gesta Trev., 
welche c. 1261 geschrieben sind, gingen, wie wir sahen, davon aus, dass 
die drei rheinischen Erzbischöfe Kurfürsten schon zur Zeit der Wahl 
Wilhelms gewesen seien. 
Am wichtigsten ist hier aber ein Brief, welchen Papst Innocenz IV. 
von Lyon aus noch im Oclober 1247 an den Bector von St. Maria in 
Cosmedin schrieb, um ihm die Wahl Wilhelms von Holland zum deutschen 
König mitzuteilen. Der Hauptinhalt dieses Briefes1 2) ist folgender: „Am 
3. October ist Wilhelm, Graf von Holland, communi voto principum, 
qui in electione Cesaris jus habere noscuntur, applaudentibus ceteris 
1) Reg. imp. 1246-1313, S. 5. 
2) Gedruckt in den Font. rer. austr. II, Bd. XXV, S. 430, nr. 10 
und aus Века bei Böhmer, Font. rer. germ. II, 435, Regest in reg. 
imp. 1246—1313, S. 314, nr. 28.
	        

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