Full text: Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

landcs in die Bundesrepublik wurde an eine Reihe von Maximalforderungen ge¬ 
bunden, die offensichtlich zur Absicherung der mittlerweile vorbereiteten Einzel¬ 
forderungen gegenüber der Bundesrepublik dienen sollten. Die Möglichkeit einer 
kooperativen Zusammenarbeit mit der neuen saarländischen Landesregierung wur¬ 
de von vornherein nicht in Betracht gezogen. Verhandlungen unter Beteiligung 
saarländischer Vertreter wurden vielmehr kategorisch zugunsten direkter bilateraler 
Verhandlungen mit der Bundesrepublik ausgeschlossen. Durch ein breites Spek¬ 
trum an einzelnen Forderungen wurde - in Übereinstimmung mit der Bundesregie¬ 
rung - der Verhandlungsgegenstand auch auf andere Fragen des deutsch-franzö¬ 
sischen Verhältnisses, wie zum Beispiel den Bau eines Moselkanals ausgedehnt. 
Die Saarfrage wurde dabei von der französischen Seite völlig neu bewertet. 
Ökonomische und politische Argumente, die teilweise bereits seit Jahren in der 
innerfranzösischen Diskussion verwandt worden waren, wurden nun in dem Sinne 
berücksichtigt, dass eine ganz grundsätzlich integrative oder kooperative Linie 
gegenüber der Saar nicht mehr verfolgt wurde. Dazu trug sicherlich auch bei, dass 
die Saarfrage, welche die französische Öffentlichkeit noch 1955 stark beschäftigt 
hatte, in Frankreich deutlich an Bedeutung verlor. Dies musste jedoch nicht 
zwangsläufig mit einem Verzicht auf Einzelforderungen einhergehen. Ganz im 
Gegenteil wurden beispielsweise hinsichtlich französischer Abbaurechte im 
Warndt - und damit unter saarländischem Territorium - weiterhin hohe Ansprüche 
formuliert. Auf keinen Fall sollte die Neuregelung der Wirtschaftsbeziehungen mit 
der Saar die französischen Unternehmen oder die staatliche Außenhandelsbilanz 
gefährden. Auch den Umtausch der im Saarland als offizielle Währung kursieren¬ 
den französischen Francs ließ man sich teuer bezahlen. Befreit von den Zwängen 
einer Rücksichtnahme auf saarländische Interessen, die in der Zeit der Währungs¬ 
und Zollunion auch aus diplomatischen und politischen Gründen immer nötig 
gewesen war, konnte Frankreich nun sogar zielstrebiger und erfolgreicher als zuvor 
die eigenen ökonomischen Interessen einfordem und durchsetzen. Hingegen wurde 
der Anspruch aufgegeben, einen eigenständigen und positiven Beitrag zur künf¬ 
tigen Gestaltung der Region zu leisten und die - im Übrigen immer noch als nötig 
und hilfreich angesehene - grenzüberschreitende Kooperation zu fördern. Die 
Unterzeichnung des Luxemburger Vertrags am 27. Oktober 1956 beendete somit 
auch die Epoche einer eigenständigen französischen Saarpolitik. 
Literaturhinweise 
Rémi BaudouÜ, Französische Wiederaufbaupolitik an der Saar, oder: Funktionalismus als 
politische Doktrin (1945-1950), in: Hudemann, Jellonnek u. Rauls, Grenz-Fall, 
S. 279-291 
Jean-Paul Cahn, Le second retour. Le rattachement de la Sarre à FAllemagne 1955-1957, 
Bern 1985 
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