Full text: Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Die Bedeutung des Pariser Nationalarchivs als Fundgrube für Quellen zur Saar¬ 
geschichte ist nicht zu unterschätzen, wird doch das Schriftgut der einzelnen Mini¬ 
sterien jeweils an dieses Archiv weitergeleitet. Die meisten Ministerien hatten im 
Zuge der Besatzungspolitik eigene Abteilungen für die Belange des Saarlandes 
bzw. der besetzten Zone eingerichtet. Akten der ehemaligen französischen Wirt¬ 
schaftsverwaltung in Saarbrücken sowie der Wirtschaftsverwaltung im französi¬ 
schen Wirtschafts- und Finanzministerium konnten inzwischen von der Universität 
des Saarlandes verfilmt werden und sind in Auszügen auch in diesem Band abge¬ 
druckt. Sie werden im Centre des Archives Contemporaines in Fontainebleau 
archiviert. Ursprünglich als Cité interministérielle gegründet, wurde diese Einrich¬ 
tung 1986 zur offiziellen Lagerstätte für Archivalien zur jüngeren Zeitgeschichte, 
die in den einzelnen französischen Behörden, Ministerien und nicht zuletzt auch in 
der Présidence de la République bereits für die Arehivübemahme ausgesondert, 
aber noch nicht endgültig in die entsprechenden Fonds integriert wurden. 
Die weitaus ergiebigsten Bestände zur Nachkriegsgeschichte des Saarlandes 
befinden sich in den Archives diplomatiques du Ministère des Affaires Etrangères 
(MAE). Dieses Archiv des französischen Außenministeriums umfasst „in einzig¬ 
artiger Geschlossenheit die Aktenüberlieferung der gesamten Außenpolitik Frank¬ 
reichs vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ (Wolfgang Hans Stein). Doch auch 
wenn im Pariser Quai d’Orsay - dem Hauptsitz des Archivs - geschlossene Bestän¬ 
deserien eine große Quellenfülle bergen, sehen sich Saarforscher dennoch mit 
verschiedenen Problemen konfrontiert, die eine Quellensuche mühsam und zeitauf¬ 
wändig gestalten. Dies liegt vor allem daran, dass Verwaltungsstruktur und Zustän¬ 
digkeiten im französischen Außenministerium für die frühen Nachkriegsjahrc nur 
schwer zu rekonstruieren sind. Die Quellen zur saarländischen Geschichte befinden 
sich folglich in sehr unterschiedlichen Bestandsserien, was von Forschem einen 
beinahe schon detektivischen Spürsinn erfordert, um die im Quai d’Orsay lagern¬ 
den Dokumente zur Saargeschichte aufstöbem zu können. Die wichtigsten Be¬ 
stände sind im ehemaligen, 1947 eingerichteten Saar-Referat (Sous-direction Sarre) 
des Außenministeriums zu finden. 
Den Archiven des französischen Außenministeriums angegliedert sind die 
Archives de l’Occupation Française en Allemagne et en Autriche im elsässischen 
Colmar. Hier werden seit 1951 nach und nach die Akten zur französischen Besat¬ 
zung in Deutschland und Österreich 1945-1955 - also das Schriftgut der Dienst¬ 
stellen aus den Besatzungszonen - eingelagert. Als im Jahre 1985 die dreißig¬ 
jährige Sperrfrist für die Besatzungsakten abgelaufen war, richtete das französische 
Außenministerium für diese in einem Colmarer Kasernengebäude gelagerten 
Archivalien vor Ort einen Benutzersaal ein. In unmittelbarer Nachbarschaft zum 
ehemaligen Hauptquartier der französischen Militärregierung in Baden-Baden 
stehen damit heute sowohl der Schriftverkehr des französischen Oberbefehlshabers 
Pierre Koenig und seines Besatzungsstabes als auch die Aktenführung des zivilen 
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