Full text: Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

öffentlicher Institutionen, die in Absprache mit den Eigentümern zugängig gemacht 
werden konnten. 
Teilweise lagern derartige Akten aber auch noch bei den Eigentümern selbst und 
sind daher für die Öffentlichkeit nur schwer oder gar nicht zugängig. Einen dezen¬ 
tralen Rechercheansatz erfordern beispielsweise die Akten der Kommunen, die im 
Saarland oft von Stadt- oder Kreisarchiven verwaltet werden. An der eng mit der 
Geschichte des Landes verbundenen Universität des Saarlandes wurde 1991 ein 
eigenes Archiv errichtet. Spezielle Überlieferungswege existieren für die Reli¬ 
gionsgemeinschaften - so zum Beispiel für die katholische Kirche in den 
Bistumsarchiven Speyer und Trier, für die Evangelische Kirche in Düsseldorf, 
Boppard und Speyer. Die Parteien und Verbände schließlich archivieren ihre 
Quellen in den jeweiligen Parteiarchiven - wie der Konrad-Adenauer-Stiftung 
(KAS), der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und der Friedrich-Naumann-Stiftung - 
beziehungsweise den Gewerkschafts- und Verbandsarchiven. Während einerseits 
vor allem in den dort verwahrten Nachlässen sehr interessante Quellenfunde 
gemacht werden können, sind andererseits gerade in diesem Bereich die gravie¬ 
rendsten Aktenverluste zu verzeichnen. 
Die große Zahl an staatlichen und privaten Archiven, die alle ihren Beitrag zur 
Wahrung des historischen Erbes der saarländischen Nachkriegsgeschichte leisten, 
sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Forschungsfragen nicht allein 
aus deutscher Überlieferung beantwortet werden können. Verschiedentlich wurde 
für das Saarland als „Land ohne Archivtradition“ von einer „Quellenarmut“ 
(Hans-Christian Herrmann) gesprochen. Noch 1986 galt das Saarland „wegen des 
schwierigen Quellenzugangs“ sogar als „spröder Untersuchungsgegenstand“ 
(Wolfgang Benz). Die für die ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte so auffallend 
magere Überlieferung hat ihre Ursachen unter anderem in der historischen 
Situation. Kriegsbedingte Papierknappheit und das Saarhochwasser von 1947/48 
behinderten die Archivierungsbemühungen, die darüber hinaus in der Frühzeit 
durch das Fehlen von fachlich ausgebildeten Archivaren und durch die politische 
Kultur in einem „Land der kurzen Wege“ gehemmt wurden. 
Ein weiterer wichtiger Grund für die Defizite der Quellenüberlieferung liegt im 
hart umkämpften Untersuchungsgegenstand selbst. Die ungeheure Polarisierung 
rund um das Referendum 1955, die mit persönlichen Verunglimpfungen, Frustra¬ 
tion und dem Ruf nach einem „Schlussstrich“ einherging, hatte zur Folge, dass 
gerade die Privatnachlässe führender Saar-Politiker vernichtet oder nicht an das 
Landesarchiv Saarbrücken abgegeben wurden. Die Einrichtung des Landesarchivs 
selbst war anfangs ein Politikum und wurde - je nach politischem Standpunkt - als 
Zeichen angestrebter Autonomie befürwortet oder abgelehnt. Andererseits bietet 
die besondere politische Geschichte des Saarlandes im Hinblick auf die Überliefe¬ 
rung von historischen Zeugnissen auch einige Vorteile. Dank der Doppelüberliefe¬ 
rung von Akten durch saarländische und französische Stellen konnten in der jün¬ 
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