Full text: Die Berliner Herpin-Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin (Ms. Germ. Fol. 464)

3. Berlin, Staatsbibliothek Preubischer Kulturbesitz zu Berlin, 
Ms. GERM. FOL. 464 
Der Berliner Codex Ms. germ. fol. 464 enthält die späteste handschrifdiche Fassung des 
,Herzog Herpin4. Die frühneuhochdeutsche Erzählung verweist jedoch vielleicht auf eine 
ältere Redakdon als die in der Wolfenbütteler und in der Heidelberger Herpin-Hand- 
schrift enthaltenen Versionen, wobei deren Handschriften zwar früher als der Berliner 
Codex entstanden sind, aber anscheinend schon eine überarbeitete Version beinhalten. 
Dies bedarf jedoch weiterer Untersuchungen. Nicht eindeutig festzustellen ist auch, ob die 
überlieferte französische Vorlage des ,Lion de Bourges4 in Paris (Bibliothèque nationale de 
France, Ms. fr. 22555, ehemals Sorbonne 450)2S2 die Vorlagenversion war, doch scheint 
der Berliner Text in Aufbau, Struktur und Wortlaut der Pariser Handschrift am nächsten 
i 283 
zu stehen. 
3.1. Provenienz 
Über die Herkunft und die früheren Aufbewahrungsorte beziehungsweise über die mögli¬ 
chen Vorbesitzer der Berliner Herpin-Handschrift ist wenig überliefert. In dem Codex ist 
auf dem Vorsatzblatt der Name „Albrecht Ernst44 vermerkt. sl Auszuschließen ist nicht, 
dass die Namenseintragung des 16. Jahrhunderts ein Besitzvermerk ist, doch ist der Name 
bisher keiner bestimmten historischen Person zuzuordnen. 
282 Die Papierhandschrift ohne Miniaturen mit der Signatur Ms. fr. 22555 (ehemals Sorbonne 450) ist am 
Ende des 14. Jahrhunderts entstanden. Die Schrift stammt von einer lothringischen Schreiberhand des 
14. Jahrhunderts. Der Codex enthält weder Miniaturen noch historisierte Initialen; der Schreiber bedien¬ 
te sich eher der üblichen Hervorhebung von Initialen durch Vergrößerung und Rubrizierung. Die An¬ 
fangsinitiale des Textes ist der einzige ornamental hervorgehobene Buchstabe. Eine zweite überlieferte 
Handschrift liegt ebenfalls in der Bibliothèque nationale de France unter der Signatur Ms. f. fr. 351 
(ehemals f. fr. 6971), 15. oder 16. Jahrhundert, Pergamentcodex mit zwölf Miniaturen, die bis zu einer 
Spalte groß sein können; außer auf fol. 56r und fol. 235v sind ganzseitige Illustrationen ausgeführt: Alis 
im Kampf mit dem Riesen (Abb. 106), Der Tote im Kamin (Abb. 107), Turnier (Abb. 108), Belagerung 
von Montrose (Abb. 109), Brennender Scheiterhaufen (Abb. 110), Kampf zwischen Bonivant und Hen¬ 
ry (Abb. 111), Kampf Lions mit dem Riesen (Abb. 112), Herpins Kampf mit Orible (Abb. 113), Hinter¬ 
halt Gombauts (Abb. 114), Wiedersehen Lions mit seiner Familie (Abb. 115), Olivier kämpft gegen das 
Seeungeheuer (Abb. 116), Heer Karls und Lions vor Bourges (Abb. 117). Die gesamte Handschrift ist 
digitalisiert unter: 
http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btvlb9060020q/fl.image.r=lion+de+bourges.-langFR (zuletzt aufge¬ 
rufen am 09.12.2011 um 10:59 Uhr). Die darin enthaltenen zwölf Illustrationen waren sicherlich nicht 
die Vorlage zu denen in der Berliner Handschrift, denn hierbei handelt es sich um Deckfarbenminiatu¬ 
ren, deren Erscheinungsbild von den Federzeichnungen divergiert. 
283 Vgl. auch BASTERT 2014, S. XVIII. 
284 Ausst.Kat. Aderlass, S. 135; Wegener 1928, S. 112. Vgl. auch Berlin, Ms. germ. fol. 464, Bl. lv*. 
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