Full text: Die Berliner Herpin-Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin (Ms. Germ. Fol. 464)

reicht bis auf die Oberschenkel, darunter sind ebenfalls einfarbige Beinlinge und Schna¬ 
belschuhe sichtbar. 
Die älteren Männer sind teilweise mit Schauben oder Röcken unterschiedlicher Länge 
gewandet, deren Stoff gemustert ist und deren Krägen breit über die Schultern gelegt sind. 
Die Pelzverbrämungen an den Schauben weisen die Männer als sozial hoch stehend aus. 
Lewes Ziehvater beispielsweise trägt eine bodenlange Schaube mit breitem Kragen und 
Beutelärmeln und Herzog Herpin ist mit einem weiten Mantel bekleidet, der durch einen 
Gürtel an der Taille körperbetont ist. Eine Ausnahme bildet hier der Herzog von Kalabri¬ 
en: In einer Szene ist er mit einem bodenlangen, taillierten Rock bekleidet, dessen breiter 
Saum mit einem Rautenmuster und dessen Ausschnitt mit einer Borte verziert ist. Die 
Ärmel sind bis zum Ellbogen weit und geschlitzt, die Unterarmpartie liegt eng an und wei¬ 
tet sich leicht kelchförmig am Handgelenk (Abb. 58). 
Außerdem tragen die älteren Männer schulterlange Haare und meist einen Bart: Das Al¬ 
ter des Weißen Ritters unterstreichen der spitze, geteilte Kinnbart und die offenen Haare; 
bei Balduin sind es die schulterlangen Haare, die ihn als älteren Mann kennzeichnen, doch 
fehlt ihm ein Bart. 
Die Kopfbedeckungen für die männlichen Figuren in der Herpin-Handschrift reichen 
von Hüten mit vorn aufgeschlagener Krempe (vgl. Balduin, Abb. 9f., 20, 89f. und Weißer 
Ritter, Abb. 36), Kappen mit Federschmuck, deren Krempe aus versetzten Dreiecken zu¬ 
sammengesetzt ist (vgl. Gerna, Abb. 26), pelzverbrämten Hüten (vgl. Herzog von Kalab¬ 
rien, Abb. 35, 37f., 43, 60, 63f, 79, 84, 86, 88f. und Lewe, Abb. 39, 43, 49f., 53£, 59, 65, 
66—70, 75—77, 79), breitkrempigen Spitzhüten (vgl. Fürst von Tarant, Abb. 35) bis hin zu 
gestreiften Hauben mit Netzbesatz, unter denen die Haare vor Staub geschützt sind (nur 
bei Herpin, Abb. lf., 5, 8, 16—19). In den Szenen, in denen viele Personen dargestellt wer¬ 
den, erscheinen die unterschiedlichsten Hutformen: Schnabelhüte mit seitlich (Abb. 6, 9, 
21, 23f., 54, 59, 89) und hinten aufgeschlagener Krempe (Abb. 18f.), Hauben sind wieder¬ 
holt bei der Dienerschaft und den Musikanten zu finden (Abb. 14, 31 f., 34), einen Spitz¬ 
hut mit hinten aufgschlagener Krempe (Abb. 33), turbanartige Kopfbedeckungen tragen 
die Heiden (Abb. 16f.) und einen Fes (Abb. 26f.) Alle Hüte und Kappen können mit zwei 
oder mehr Federn verziert sein. 
Männer mitderen Alters tragen in den gesamten Illustrationen taillierte Wämser, die un¬ 
terschiedliche Ärmelformen, Säume und Borten aufweisen können. Außerdem sind sie 
mit den üblichen Beinlingen und Schnabelschuhen ausgestattet. So auch der Schildknecht 
Gerna, der neben dem taillierten Wams mit weit geschlitzten Ärmeln und den engen Bein¬ 
lingen mit besonderer Schutzkleidung hervorgehoben ist: Zum einen der Schaller, der mit 
einem Fell überzogen ist, und zum anderen die kurze Kettenhose, die unter seinem Wams 
hervorsticht. Geschlitzte Ärmel trägt auch der Weiße Ritter an seinem knielangen Rock, 
dessen Saum und Bündchen in einer breiten Borte mit Rautenmuster endet. Doch variie¬ 
ren die Ärmel, da die enge Unterseite geschlitzt und geschnürt ist. So ist Lewes Antago¬ 
nist, der Herzog von Kalabrien, mit einem eng taillierten Wams gezeichnet, dessen Puff¬ 
ärmel geschlitzt sind und der mit einer breiten Borte aus Rautenmuster gesäumt ist. Durch 
das gleiche Wams mit breitem, kariertem Saum ist das kalabresische Heer vom siziliani- 
schen zu unterscheiden. Der Herzog von Tarant ist gekennzeichnet durch hohe Stiefel 
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