Full text: Landesherrliche Finanzen und Finanzverwaltung im Spätmittelalter

Kommentar 
Die Menschen hinter den Rechnungen 
Das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken dürfte um das Jahr 1480 etwa 20.000 Einwoh¬ 
ner gezählt haben1414. Außer über die fürstliche Familie, den Adel und kirchliche 
Würdenträger wissen wir über das Leben der breiten Bevölkerungsmehrheit fast 
nichts. In den Rechnungsheften der pfalz-zweibrückischen Ämter und Kellereien 
werden nun aber auch neben herzoglichen Verwaltungsbediensteten auch die ein¬ 
fachen Leute, Bauern, Handwerker, Tagelöhner sowie die dörflichen Führungs¬ 
schichten in Gruppen oder als Individuen greitbar. 
Das in den Rechnungen enthaltene Material ist zu umfangreich, um im Rahmen 
dieser Edition vollständig ausgewertet zu werden. Dies gilt um so mehr, als es 
wünschenswert erscheint, dabei auch die zeitgenössische urkundliche Überliefe¬ 
rung miteinzubeziehen. So versprechen weitergehende Untersuchungen über das 
dörfliche Handwerk, über regionale Handelsbeziehungen, über den sozialen Hin¬ 
tergrund der Keller und des Burggesindes, über die Weiherwirtschaft, über die 
Entwicklung der Stcuerarten sowie der Finanzverwaltung in Pfalz-Zweibrücken 
(unter Miteinbeziehung der übrigen erhaltenen Rechnungen aus diesem Territori¬ 
um) erhebliche neue Erkenntnisse. Das in den Rechnungen enthaltene Zahlenmate¬ 
rial ließe sich durchaus auch statistisch auswerten, müßte dazu allerdings zunächst 
aufgearbeitet werden. 
Nichtsdestotrotz soll im Folgenden auf einige wichtige Beobachtungen nicht ver¬ 
zichtet werden, die sich unmittelbar aus der Lektüre der Kellereirechungen erge¬ 
ben. 
Der Landesherr, seine Familie und die herzogliche Zentralverwaltung 
Der Landesherr ist keineswegs die am häufigsten genannte Person in den Rech¬ 
nungen, denn er wird nur erwähnt, wenn er vor Ort anwesend war. Während For¬ 
mulierungen wie myns gnedigen hem auf die Rolle des Herzogs als Landesherr 
hindeuten, wird er auch namentlich erwähnt (z. B. mvn gnediger her hertzug Lo¬ 
deweck), wenn er persönlich anwesend ist oder selbst eine auszuführende Anwei¬ 
sung erteilt hat. 
Der Herzog selbst verfügte ebensowenig über direkte Einnahmen wie andere Ein¬ 
richtungen der Zentralverwaltung. So ist erst seit Beginn des 16. Jahrhunderts eine 
Rechnungskammer nachweisbar; die erste aus dieser Behörde erhaltene Rechnung 
ist auf 1507 datiert. EBis dahin, und das ist aus den Kellereirechnungen zu belegen, 
wurden einzelne Zahlungen zugunsten der herzoglichen Familie und des Hofes auf 
Anweisung des Herzogs oder von ihm ad hoc damit beauftragter Personen getätigt. 
Auch gab es in Pfalz-Zweibrücken nach Ausweis der Rechnungen im 15. Jahrhun¬ 
1414 Warmbrunn, Spätblüte von Archivwesen und Rechtsgelehrsamkeit, S. 77, Anm. E 
718
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.