Full text: Landesherrliche Finanzen und Finanzverwaltung im Spätmittelalter

Landesherrliches Rechnungswesen im Spätmittelaller 
fassung mehrerer Rechnungsjahre in einem einzigen Heft zeugen davon, daß das 
Rechnungswesen in geteilten Kleinherrschaften im Vergleich zu größeren und 
mittleren Territorialherrschaften am Ende des Mittelalters noch wenig entwickelt 
war. 
Ein weiterer Aktenband aus der Herrschaft Dagstuhl mit sieben Rechnungen liegt 
aus den Jahren 1523 bis 1527 vor. Freilich betrifft auch hier die Masse der überlie¬ 
ferten Rechnungen das 18, Jahrhundert. 
Herrschaft Kriechingen 
Es haben sich einige Rechnungen der Herrschaft Kriechingen (Crichingen, heute 
Crehange) in Lothringen aus den Jahren 1471 bis 1566 erhalten1410, wobei nur vor 
Ort geklärt werden kann, wieviele Stücke davon ins 15. Jahrhundert gehören. 
Herrschaft Saarwellingen 
Im Landesarchiv Saarbrücken haben sich einige wenige Rechnungen der Herr¬ 
schaft Saarwellingen aus derZeit von 1454 bis 1631 erhalten1411. 
Diese Auflistung belegt unzweifelhaft die obige Feststellung, daß der im Landesar¬ 
chiv Speyer bewahrte Fundus an Kirkeler Kellereirechnungen von seinem Alter 
und von seinem Umfang her zu den bedeutendsten territorialen Rechnungsbestän¬ 
den aus dem 15. Jahrhundert im Westen Deutschlands zählt und daß er, einmal 
erschlossen, vergleichende Forschungen im westeuropäischen Zusammenhang 
ermöglicht. 
Fragen nach möglichem französischem Einfluß 
Zur Frage der Vergleichbarkeit bzw. möglicher westlicher Einflüsse bieten sich in 
erster Linie Vergleiche mit dem Herzogtum Lothringen, ferner auch mit dem Her¬ 
zogtum Luxemburg an. In beiden zum Heiligen Römischen Reich gehörigen Terri¬ 
torien war französisch die Sprache der (zentralen) Verwaltung. 
Was Luxemburg betrifft, kann ab dem 15. Jahrhundert von einer generellen Orien¬ 
tierung zu den Niederlanden ausgegangen werden, deren Rechnungswesen laut 
MERSIOWSKY hoch entwickelt war. Unglücklicherweise sind aus dem Herzogtum 
Luxemburg aber kaum territoriale Rechnungen im Original erhalten, so daß es für 
einen möglichen Vergleich weitgehend ausfällt. 
Im Hinblick auf Lothringen gilt es zu berücksichtigen, daß es neben dem Herzog¬ 
tum (mit der Hauptstadt Nancy) noch andere Territorien in dieser Region gab, 
wozu die drei Bistümer Metz, Toul und Verdun sowie weitere, vorwiegend im 
deutschsprachigen Landesteil gelegene, meist kleinere Grafschaften und Herrschaf¬ 
1410 Archives Départementales de la Moselle, Metz, 10 F 206. 
1411 Landesarchiv Saarbrücken, Bestand „Nassau-Saarbrücken II“, Nr. 3003. 
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