Full text: Landesherrliche Finanzen und Finanzverwaltung im Spätmittelalter

Kommentar 
Im Grenzbereich zu Frankreich gelegen, empfiehlt es sich, für zukünftige verglei¬ 
chende Untersuchungen das Herzogtum Lothringen nicht ganz außer Acht zu las¬ 
sen, um abschätzen zu können, ob sich französische Modemisierungstendenzen im 
15. Jahrhundert bemerkbar machten, zumal es bedeutende Vermittler gab, zum 
Beispiel Herzogin Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken 
(1429-1456)1295 1298. Bevor diese Fragen angegangen werden können, soll als notwen¬ 
diger erster Schritt hierzu die Edition und die Auswertung der einzigartig umfang¬ 
reich erhaltenen Rechnungen der Kellerei Kirkel aus dem 15. Jahrhundert erfolgen, 
was ein in sich abgeschlossenes und sinnvolles Unternehmen von eigenem Wert 
darstellt. Während der laufenden Arbeit an der Edition der Rechnungen aus Kirkel 
sind dem Bearbeiter weitere landesherrliche Rechnungen aus dem Westrich und 
angrenzenden Gebieten bekannt geworden, die in diesem Artikel als wichtige 
Quellen zur spätmittelalterlichen Regionalgeschichte vorgestellt werden sollen. 
Zum spätmittelalterlichen Rechnungswesen in Deutschland 
Die Zahl erhaltener Rechnungen im deutschsprachigen Raum aus der Zeit vor dem 
Jahr 1300 ist verschwindend gering (Passau, Boianden, Katzenelnbogen, Kur¬ 
köln1246), was sich für das 14. Jahrhundert nur unwesentlich bessert (Kurtrier, Kur¬ 
mainz, Jülich, Geldern etc.). Es gibt in aller Regel bloß Einzelstücke. In den nord¬ 
westlichen Landesherrschaften (beispielsweise Holland, Brabant, Hennegau, Bar) 
setzt das Rechnungswesen gemäß der heutigen Überlieferung zwar deutlich früher 
ein als im sonstigen Reich1247, doch selbst aus dem 15. Jahrhundert sind vielfach 
nur Einzelstücke erhalten. Um so höher ist der Kirkeler Rechnungsbestand für die 
Erforschung landesherrlicher Finanzen einzuschätzen, da er nach derzeitigem 
Kenntnisstand als die größte Serie von Rechnungen aus dem 15. Jahrhundert gelten 
kann, obgleich auch er Lücken aufweist. Die Kirkeler Kellereirechnungen setzen 
1434/35 ein und umfassen bis 1503 29 Hefte mit durchschnittlich je 30 Blättern. 
Bei einer geschätzten Überlieferungsquote von lediglich 2 % bei den Kellereirech¬ 
nungen Nordwestdeutschlands1248 kommt daher der Kellerei Kirkel eine hohe ex¬ 
Rechnungen als Geschichtsquelle, in: Unsere Archive [Saarland] 5, 1976 (ohne Seitenzäh¬ 
lung) hin. 
1295 Zwischen Deutschland und Frankreich - Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau- 
Saarbrücken, hg. von Wolfgang Haubrichs und Hans-Walter Herrmann; Zwischen Herr¬ 
schaft und Kunst. Fürstliche und adlige Frauen im Zeitalter Elisabeths von Nassau- 
Saarbrücken (14.-16. Jh.), hg. von Wolfgang Haubrichs und Patricia Oster (Veröffentli¬ 
chungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte, Bd. 34 und 44), 2002/2013. 
1-46 Wilhelm Janssen, Die kurkölnischen Territorialrechnungen des Mittelalters, in: Jahr¬ 
buch für westdeutsche Landesgeschichte 6 (1980), S. 97-115. 
1297 Mersiowsky, Die Anfänge territorialer Rechnungslegung, S. 75-77, zu Kirkel S. 63. 
1298 Mersiowsky, Die Anfänge territorialer Rechnungslegung, S. 261 und S. 264-269 (zur 
Erklärung der Überlieferungsverlustc). 
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