Full text: Landesherrliche Finanzen und Finanzverwaltung im Spätmittelalter

BayHStA München, Kasten blau, Nr. 390/4, Fasz. I 
Das Zinsbuch der Kellerei Kirkel 
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau 390/4, Fasz, 1, fol. (212r) 
213r-231v (232v), 
Bei dem als Zinsbuch des Amtes Kirkel überlieferten Text handelt es sich um ein 
am hinteren Ende verstümmeltes Heft aus teils stark bestoßenem, fadengeheftetem 
Papier von ca. 29 cm Höhe und 20 cm Breite. Dieses Papierheft ist eingebunden in 
ein Pergamentblatt, das durch seine lateinische Beschriftung in zwei Kolumnen als 
zweitverwendeter Rest eines Meßbuchs zu erkennen ist. Als reines Zweckprodukt 
steht die Schrift auf dem Pergamenteinband zur Laufrichtung des Heftes auf dem 
Kopf. Die folia 212 bis 232 bestehen aus hellerem, jüngerem Papier. Das Titelblatt 
zu diesem Heft stammt nicht aus dem 15. Jahrhundert, sondern wurde im pfalz- 
zweibrückischen Archiv in der frühen Neuzeit angebracht. Dieses Deckblatt trägt 
in einer Schrift des frühen 17. Jahrhunderts (?) die Titelaufschrift Zinssbuech dass 
ampth[s] Kirckel j [zwainbrück(isch)] belang(end), die von späterer Hand 
ver(schlimm)bessert wurde" . Zum Altbestand des Heftes aus dem 15. Jahrhun¬ 
dert gehören nur die Blätter 213-231 in 9 bzw. 11 Lagen (vor und nach der Mittel¬ 
falz). Ein unbeschriebenes Blatt zwischen fol. 224 und fol. 225 wurde zusammen 
mit fol. 226, das in jüngerer Schrift weitere Zinsen zu Erbach enthält, nachträglich 
vor fol. 226 eingeheftet, das in älterer Schrift Zinsen zu Erbach auflistet; hier han¬ 
delt es sich also um spätere Ergänzungen. 
Der nachträglich angebrachte Titel betreffend das Amt Kirkel kann nicht darüber 
hinweg täuschen, daß es zur Entstehungszeit der Steuerliste noch kein Amt Kirkel 
gab, so daß das Heft korrekt als Zinsbuch der Kellerei Kirkel aufgefaßt werden 
muß. Das Zinshuch war von den 1480er Jahren bis ins frühe 16. Jahrhundert in 
Gebrauch. Die Entstehungszeit ergibt sich aus den darin enthaltenen Namen steu¬ 
erpflichtiger Personen, die zum Teil auch in den zeitgleichen Rechnungen Vor¬ 
kommen, und aus verschiedenen Nachträgen in deutlich jüngerer Handschrift 
unterschiedlicher Schreiber, bei denen es sich offensichtlich um Fortschreibungen 
in Erbfällen handelt. 
[213r] Item Diele metzeier von der hoffstat, da sin huss vff stat, 1 s d zu fryzinss. 
Item kuhehirts Jorge von der hoffstadt, da sin huss vff stat 1 s d | zu fryzinss. 
1227 Nach ampt von anderer Hand ergänzt s und vor belangtend) gestrichen zwain- 
bruck(isch). Ursprünglich war also zu lesen Zinssbuech, dass ainpth Kirckel, zwain- 
brück(isch), belang(end), nach der Änderung Zinssbuech dess Ampths Kirckel. Die Auflö¬ 
sung der Abkürzung zwainbruek als Adjektiv erscheint sinnvoller denn als Name der Stadt 
und bedeutet, daß das Amt Kirkel im Pfalz-Zweibrückischen gelegen war. Vielleicht ent¬ 
schloß sich der Archivar zur Streichung, weil er vermeiden wollte, daß das Amt Kirkel mit 
dem Amt Zweibrücken verwechselt würde. 
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