Full text: Arbeiterexistenzen und Arbeiterbewegung in den Hüttenstädten Neunkirchen, Saar und Düdelingen, Luxemburg

tere waren in den meisten Fällen, wie aus den Plänen hervorgeht, mit landwirtschaftli¬ 
chem Zubehör ausgestattet.602 
Die ersten in diesem Zusammenhang relevanten und erhaltenen Konzessionen wurden 
im Jahr 1903 erteilt. Hier wurde der Bau von sechs Futterschuppen hinter einigen Arbei¬ 
terhäusern in der Saarbrücker Straße, also dem dichtesten Arbeiterwohngebiet Neunkir- 
chens, genehmigt. Die Schuppen waren aus Holzfachwerk erbaut, mit Backsteinen ausge¬ 
mauert und mit einer Asphalt-Dachpappen-Eindeckung versehen.603 Wenig später wurde 
ein Stallgebäude für ein Meisterhaus mit insgesamt vier Familien, ebenfalls in der Saarbrü¬ 
cker Straße, konzessioniert.604 Im August 1906 erhielt die Firma die Erlaubnis, Schweine¬ 
ställe zu Arbeiterwohnhäusern in der Vogelstraße zu bauen 605 Ab Mitte der 1920er Jahre 
ebbten die Anträge für landwirtschaftliche Nutzgebäude etwas ab, aber noch für das Jahr 
1933 ist ein derartiger Schriftwechsel überliefert. Insgesamt wurden im Betrachtungszeit¬ 
raum folgende landwirtschaftliche Funktionsgebäude beantragt und genehmigt: 
- Zehn Futter- und Heuschuppen, 
- eine Futterscheune, 
- ein Doppelschuppen, 
- mindestens606 zz Stallgebäude ohne nähere Spezifizierung, 
- mindestens vier Schweineställe, 
602 Bibliographischer Nachweis des Bestands: StA Nk, Dep. Saarstahl AG, Konzessionen. Die Doku¬ 
mente sind in einzelnen Mappen zusammengefasst. Hier von Bedeutung sind die Mappen 52 bis 36. Die 
einzelnen Bauprojekte sind dann noch einmal nach durchnummerierten Dossiers geordnet. Die Stra¬ 
tegie der Versorgung mit landwirtschaftlichen Produktionsmitteln verfolgten die Unternehmen auch 
andernorts, wie Vera Steinborn in einem neueren Aufsatz am Beispiel des Ruhrgebiets zeigt. Vgl. Stein¬ 
born, Vera: Arbeitergärten im Ruhrgebiet, in: Westfälische Forschungen 61 (2011), S. 40-60, bes. 
S. 43-50. Wie groß die vom Werk bereitgestellten oder anderweitig vorhandenen Garten- und Land¬ 
parzellen waren, ist nur schwierig zu quantifizieren. Vgl. zu dieser Problematik Gudermann, Rita: 
„Selbstversorgung auf kleinster Fläche“ - Überlegungen zu den Angaben zum Nutzflächenbedarf einer 
Familie im 19. und 20. Jahrhundert, in: Westfälische Forschungen 61 (2011), S. 99-124. Clemens Zim¬ 
mermann taxiert die landwirtschaftlichen Besitztümer der Arbeiterbauern auf 0,5 bis 2 Hektar. Siehe 
Zimmermann, Clemens: Vom Nutzen und Schaden der Subsistenz. Fachdiskurse über „Arbeiterbau¬ 
ern“ vom Kaiserreich zur Bundesrepublik, in: Westfälische Forschungen 61 (2011), S. 155-178, hier S. 156. 
Zu den allgemeinen sozialgeschichtlichen Charakteristika der Arbeiterbauern als „Hybridgruppe“ zwi¬ 
schen Lohnarbeiter- und landwirtschaftlicher Existenz vgl. ebd., S. 155-160. Zur großen Bedeutung des 
Arbeiterbauerntums gerade im Saarrevier vgl. Fehn, Klaus: Arbeiterbauern im Saarland - Entstehung, 
Entwicklung und Auflösung einer sozialstrukturellen Konstellation, in: Westfalische Forschungen 61 
(2011), S. 179-201. Wie so viele saarländische Sozialhistoriker qualifiziert Fehn das Arbeiterbauerntum 
hauptsächlich als ein Phänomen des Bergbaus. Diese Sozialform war allerdings unter den Neunkircher 
wie unter anderen Hüttenarbeitern in gleichem Maße verbreitet. 
603 StA Nk, Dep. Saarstahl AG, Konzessionen. Mappe 52, Nr. 3 und 4. 
604 Ebd., Nr. 13. 
605 Ebd., Nr. 17. 
606 In einigen Konzessionen wird die Menge nicht genau genannt. So ist im August 1906 nur von 
„Schweineställen“ die Rede, die gebaut werden sollen. Siehe ebd. In diesen Fällen wird von der Min¬ 
destzahl Zwei ausgegangen. 
161
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.