Full text: Arbeiterexistenzen und Arbeiterbewegung in den Hüttenstädten Neunkirchen, Saar und Düdelingen, Luxemburg

Zuweisung nach Nationalität."' 9 In vielen späteren Jahrgängen wird umgekehrt die Na¬ 
tionalität genannt, während statt der genauen Tätigkeit nur der Werksteil aufgeführt 
wird, in dem der jeweilige Arbeiter beschäftigt war. Somit ist es schwierig, die Qualifi- 
kations- und Berufsstruktur nach Maßgabe der Landsmannschaften nachzuzeichnen. 
Eine Ausnahme stellt die Stammrolle des Jahres 1924 dar, wo zumeist Nationalität und 
Beruf oder Tätigkeit genannt werden. 30 Italiener wurden im ersten Buch des Hoch- 
otenbereichs geführt, darunter waren 14 ungelernte manœuvres, zwei Laufburschen und 
zwei Schlackenarbeiter, also mehr als die Hälfte der Italiener war dezidiert unqualifi¬ 
ziert. Daneben fanden sich sieben Reserveschmelzer als wahrscheinlich angelernte Ar¬ 
beiter sowie fünf Maurer, also Vertreter eines Lehrberufs. Auffallend ist im Gegensatz 
zu den Luxemburgern und Deutschen in der gleichen Liste, dass es kein Italiener zum I. 
oder II. Schmelzer oder zum Meister oder Vorarbeiter brachte.* 580 584 Ähnliches gilt für das 
Stahlwerk, wo 1924 von 52 italienischen Arbeitern immerhin 39 ungelernte manœuvres 
waren. Allerdings gab es hier einen 1. homme de moulin und einen II. homme de mou¬ 
lin italienischer Herkunft.^81 Im Walzwerk waren die Berufsstrukturen sowohl bei den 
Italienern als auch bei den Deutschen und Luxemburgern bunt gemischt, Tendenzen 
lassen sich auf Grundlage der reinen Tätigkeitsbezeichnungen nur schwer ausmachen. 
Allerdings ist auch hier festzustellen, dass es einen deutschen Meister gab, aber keinen 
italienischenP82 Recht deutlich in seiner Aussage ist ein Befund aus der Abteilung me¬ 
nuiserie & fonderie: Hier waren von 18 verzeichneten Deutschen acht als mouleurs, also 
gelernte Former, geführt, aber nur einer von zwölf Italienern.283 
Gerade im Walzwerk fällt auf der anderen Seite auf, dass es zwischen den Italienern 
und den Luxemburgern und Deutschen durchaus Übereinstimmungen im Lohngefü¬ 
ge gab. Auch italienische Arbeiter waren imstande, verhältnismäßig hohe Löhne zu er¬ 
zielen. Ein italienischer outilleur beispielsweise, im Übrigen eine ganz explizit gelernte 
Tätigkeit als Werkzeugmacher, brachte es auf 10.601,09 Francs im Jahr, ein démonteur 
auf 9.680,77 Francs.284 Andere Werksteile brachten ähnliche Erkenntnisse. Es war nicht 
generell so, dass sich die Fernmigranten mit schlechtem Lohn und schlechter Arbeit 
zufrieden geben mussten. In der Qualifikations- und Tätigkeitsstruktur aber scheint 
sich die These, wonach die Italiener und andere Fernzuwanderer eher ungelernte und 
schlechtere Positionen hatten, tendenziell zu bewahrheiten. Auch scheinen Deutsche 
und Luxemburger eher in die Position eines Vorarbeiters oder Meisters gelangt zu sein. 
Vorsicht ist auf der anderen Seite bei der Annahme geboten, Luxemburger und Deut¬ 
sche hätten ausschließlich bessere Arbeiten zugeteilt bekommen. Hier ist zu bedenken, 
dass die Meisten von ihnen aus einem ländlich-agrarischen Umfeld kamen und insofern 
5 9 AnLux, ADU-Ui-iio. 
580 AnLux, ADU-U1-130/2. 
581 AnLux, ADU-U1-130/3. 
582 AnLux, ADU-U1-130/4. 
283 AnLux, ADU-U1-130/7. 
584 AnLux, ADU-U1-130/4. 
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