Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

Kapitel V 
Die Konstitution des Sinngehalts als praktischen 
Wir untersuchen in diesem Kapitel die Aktuierung des 
Sinngehalts, soweit sie Leistung der Praxis; wir handeln da¬ 
von erst allgemein, grundlegend, dann insbesondere von der 
Konstitution des theoretischen, des eigentümlich praktischen 
und in kurzem Vorblick des poietischen Gehalts. 
§ 82. Die zweifache oder richtiger zweiseitige, nämlich 
statisch-dynamische Gesetzlichkeit der Struktur und der 
Funktion definiert die Form des Aufbaus alles Sinngehalts. 
Die Frage ist jetzt nach diesem selbst, sofern er nicht bloß 
Form ist, sondern Erfüllung der Form, das heißt eben: Gehalt. 
Die Form bedeutet zwar nicht bloß die Gestalt, in welcher 
der Inhalt, wenn gestaltet, sich darstellt, sondern die ihn ge¬ 
staltende Kraft, und die Gesetzlichkeit, nach der sie, eben im 
Gestalten des Inhalts sich auswirkt. Die Untersuchung ergab 
nun schon, daß diese zweiseitige Formung in allem und jedem 
Auswirkung und also Ausdruck, Bezeugung einer und der¬ 
selben schöpferischen Aktivität ist. Insofern also, d. h. für 
das ganze Formale des Aufbaus bedarf es jetzt nicht mehr des 
Beweises, daß die Gestaltung des Sinngehalts durchaus Sache 
schöpferischer Aktivität ist. Sondern jetzt fragt es sich, ob 
dasselbe auch von dem die Form erfüllenden Gehalt als sol¬ 
chem, also nicht bloß hinsichtlich seiner Formung, seiner form¬ 
gesetzlichen Konstitution gilt. Ist dies zu bejahen, so folgt 
daraus, daß Aktivität, Schöpfung nicht auf geht in der bloßen 
strukturellen und funktionellen Formung. So möchte ihre
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.