Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

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Kap. III. § 53. 
handelt (dies spricht die klassische Logik vielfach noch in 
einem besonderen Satze des „ausgeschlossenen Dritten“ aus), 
sondern es gibt allerdings ein Drittes, aber nicht einen dritten 
Seinspunkt, eine dritte Seinsbestimmtheit, sondern etwas 
außer aller Punktualität, eben den Übergang. Es gibt dies 
Dritte, weil überhaupt nicht Punktbestimmtheit das Letzte, 
alles Erschöpfende ist. Die logischen Punkte sind nur Setzun¬ 
gen, Abteilungen im Linienzuge des Werdens; dieser ist 
vielmehr hier das Letzte, Zugrundeliegende, sowie überhaupt 
Bewegung der Ruhe, der Linienzug dem Anhalt im Punkte 
logisch vorgeht. Den diskreten Punkt gibt es überhaupt nur 
als Einhalt in der Bewegung; er ist eigentlich das Negative, 
die Unterbrechung des stets seienden Fortgangs, der sich wirk¬ 
lich gar nicht einhalten, nicht zerschneiden läßt. Nur der Ge¬ 
danke hält ein, gleichsam um Atem zu holen, denn er kann 
sonst nicht mit. Der ganze verneinende Sinn der gegenseitigen 
Ausschließung, den die Punktsetzung in sich trägt, berührt 
wirklich nicht das zugrunde liegende, ursprüngliche, durchaus 
bejahende Sein, das unschiedliche, durchaus stetige Sein des 
Werdens. Es zeigt sich hier das Merkwürdige, daß gerade der 
Stillstand das ewig Bewegliche, Wechselnde ist (gerade beim 
Stehenbleiben läßt sich nicht stehen bleiben!), die Bewegung 
dagegen, das Wechseln das Bleibende ist. Unsere Sprache 
entspricht dem, wenn sie gerade den Übergang des Werdens 
„stetig“ nennt, er findet eben stets, niemals nicht, statt. 
§ 53. War vorher davon die Rede, daß doch der Wider¬ 
spruch etwas sein muß, auch wenn und sofern er verneint 
wird, weil doch damit nicht nichts verneint sein soll, sondern 
etwas, so sehen wir jetzt, welches höchst positive Sein es ist, 
das sich darin birgt, das Sein des Werdens. So sicher Werden 
etwas Wirkliches ist, so sicher ist es der Widerspruch. Die 
Eleaten hatten ganz recht zu erklären: Werden ist Wider¬ 
spruch; sie hatten nur nicht recht daraus zu folgern: also gibt 
es das Werden nicht. Sie hätten vielmehr folgern sollen: da
	        
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