Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

Kapitel III 
Die Strukturgesetzlichkeit der Aktivität 
§ 39. Es wurden die grundkategorialen Voraussetzungen 
der Aktivität und damit des Willens aufgezeigt. Der Wille 
erwies sich so tief im Letztkategorialen verwurzelt, daß es 
zweifelhaft erscheinen konnte, ob nicht vom Sollen vielmehr 
auszugehen war in der Aufstellung auch schon der ersten Kate¬ 
gorien. Aber bei näherer Überlegung zeigt sich dies alsbald 
untunlich. Das Sollen ist zwar unmittelbar mit den überhaupt 
grundlegenden Kategorien, denen der Modalität, zugleich ge¬ 
geben; aber auch nur unter deren Voraussetzung erklärbar. 
Es bezeichnet aber an diesen (wie dann entsprechend durch 
alle Kategorienordnungen hindurch, so wie sie sich eben 
den Modalitätsgesetzen zufolge ergeben) nur die eine Rich¬ 
tung, nämlich die auf die Wirklichkeit hin. Diese aber hat 
logisch sich gegenüber die andere, von der Wirklichkeit her, 
durch die Notwendigkeit, zur Möglichkeit. Diese ist die Rich¬ 
tung des einfachen „So ist es“, des Seins im Unterschied vom 
Sollen. Es ist wohl zu sagen, daß von diesen beiden Rich¬ 
tungen die des Sollens an sich voransteht. Aber jedenfalls 
beiden übergeordnet bleibt das Sein letzter Bedeutung, wel¬ 
ches beide umfaßt. Aus diesem also fließt, logisch auf gleicher 
Linie, dies beides: die Dreiheit der Modalitätsphasen, gleich¬ 
sam als logischer Punktsetzungen, und der Gegensatz des 
Seins zweiter Bedeutung und des Sollens als Richtungsgegen¬ 
satz. Denn die Dreiheit der Modalitätsphasen (Möglichkeit, 
Notwendigkeit, Wirklichkeit) läßt sich sehr wohl ins Auge
	        
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