Volltext: Mythus und Kultur

EINLEITUNG 
A. 
Beginnt nicht nach einer Zeit fast ausschließlicher 
Herrschaft positivistischer und historischer, also 
metaphysikfeindlicher Gesinnung unser Blick sich 
wiederum zu erhellen für die ewigen Wesensgründe der 
Erscheinungen ? Streben die Stimmung und die Inter¬ 
essenrichtung einer neuen Generation nicht weg von 
dem naturalistischen Haften an einer massiven, aber 
leeren Tatsächlichkeit, deren Pseudowichtigkeit uns 
den Zugang zu der Erkenntnis zu verbauen drohte, daß 
alle Dinge und Vorgänge der sinnlich-sichtbaren Welt 
nur ein Gleichnis darstellen und nur um ihres Symbol¬ 
charakters willen einen Wert in sich tragen ? Spitzt 
sich die erschütternde Krisis, die wir durchleben, nicht 
zu der Sehnsucht nach Befreiung von dem lähmenden 
Druck übertriebener Hingabe an das Bloß-Empirische 
und an das um seines bloßen, harten Daseins wegen 
Gültige und Anerkannte zu? 
Daß die bewegliche Vertrautheit mit der gegen¬ 
ständlichen Wirklichkeit, daß die nahezu zur Unum- 
schränktheit gediehene Verfügung über ihren Reich¬ 
tum, daß dessen verschlagene Ausnutzung unserem 
Leben keinen Gehalt, unserer Arbeit keine sinnhafte 
Rechtfertigung, unserer Stellung im Verbände der 
Menschen keine symbolhafte Tiefe verleihen, dessen 
sind wir in schwerster Tragik inne geworden. Daß 
Mensch-Sein mehr bedeutet als das Einnehmen eines 
Platzes in dem sozialen Organismus, verstehen wir 
jetzt wieder auf Grund einer inneren Umstellung, die 
aus einer viel entscheidungsvolleren Schicht als aus
	        

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