Full text: Mythus und Kultur

Typische Sondermythen 
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ganzen Stimmung heraus nichts Anderes zur Versinn- 
lichung des Unendlichen genügen konnte. An die 
Stelle der harten formalen Zweckordnung des Gesetzes 
trat der romantische Begriff des Unendlichen im Sinne 
unerschöpflicher Tiefe und Fülle, die die Romantik 
ungleich mehr reizten und ihr ungleich mehr sagten 
als alle gesetzliche Strenge und Ordnung. So definiert 
Wilhelm Schlegel in seinen grundlegenden Berliner 
Vorlesungen «Über schöne Literatur und Kunst» das 
Schöne als die symbolische Darstellung des Unend¬ 
lichen. Auch in diesem entscheidenden Punkt ist er 
ein Schüler und Nachfolger Schellings, der in seinem 
«System des transzendentalen Idealismus» in dem 
Kapitel über die Deduktion der Hauptsätze der Philo¬ 
sophie der Kunst (6. Hauptabschnitt) von dem Künst¬ 
ler gesagt hatte, er „scheint, so absichtsvoll er ist, doch 
in Ansehung dessen, was das eigentlich Objektive in. 
seiner Hervorbringung ist, unter der Einwirkung einer 
Macht zu stehen, die ihn von allen anderen Menschen 
absondert und ihn Dinge auszusprechen und darzu¬ 
stellen zwingt, die er selbst nicht vollständig durch- 
sieht, und deren Sinn unendlich ist.“ „Der Grund¬ 
charakter des Kunstwerks ist eine bewußtlose Unend¬ 
lichkeit (Synthesis von Natur und Freiheit). Der 
Künstler scheint in seinem Werk außer dem, was er 
mit offenbarer Absicht darein gelegt hat, instinkt¬ 
mäßig gleichsam eine Unendlichkeit dargestellt zu 
haben, welche ganz zu entwickeln kein endlicher Ver¬ 
stand fähig ist. Um uns nur durch Ein Beispiel deut¬ 
lich zu machen, so ist die griechische Mythologie, von 
der es unleugbar ist, daß sie einen unendlichen Sinn 
und Symbole für alle Ideen in sich schließt unter 
einem Volk und auf eine Weise entstanden, welche 
beide eine durchgängige Absichtlichkeit in der Er¬ 
findung und in der Harmonie, mit der alles zu Einem 
großen Ganzen vereinigt ist, unmöglich annehmen
	        

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