Full text: Ethik

dieser Art, deren wir uns erfreuen können ohne Nachteil 
für unseren Nebenmenschen. 
Des Menschen Körper besteht aus zahlreichen und 
verschiedenartigen Organen. Diese bedürfen fort und 
fort neuer und auch mannigfacher Nahrung, damit der 
ganze Körper zu all den Leistungen auch fähig sei, zu 
denen er von Natur begabt ist, und damit infolge davon 
auch der Geist die Kraft besitze, viele Dinge mit einem 
Blicke zu erfassen. 
Es ist ein finsterer, trübseliger Aberglaube, der uns 
verbietet, das Leben maßvoll zu genießen und uns an 
seiner Schönheit zu erheitern. Warum sollte es sich 
mehr geziemen, Durst und Hunger zu beschwichtigen, 
als den Trübsinn zu verscheuchen? 
Die große Masse des Volkes kann sich keine Lebens¬ 
freude und keinen Lebensgenuß vorstellen, ohne die Idee 
des Geldes als deren Ursache damit zu verbinden. 
Nun trage man auch keine Scheu, sich so viel Geld 
zu erwerben, als man gebraucht, um die Gesundheit zu 
bewahren und an den Einrichtungen und Gebräuchen 
der Heimat teilzunehmen. 
Zum Laster entartet der Gelderwerb bei denen, die 
sich um ihn nicht darum bemühen, weil Gut und Geld 
zum Leben unentbehrlich sind, sondern die zu nimmer¬ 
satter Mehrung des Besitzes und besonders durch ihre 
Kenntnis und Gewandtheit in allen Schlichen ange¬ 
stachelt werden. Im übrigen sind gerade solche Menschen 
von ärgster Knauserei, wenn sie etwas für ihren Körper 
tun sollen, und sie betrachten selbst geringe Ausgaben 
zu seiner Pflege, die doch dem Menschen nun einmal 
nötig ist, als eine Verkürzung ihrer Schätze. Wägt man 
dagegen den Wert des Geldes richtig ab, und läßt man 
sich bei der Erwerbung nur von dem Bedürfnis leiten, 
dann kann man auch mit wenigem zufrieden und behag¬ 
lich leben. 
Doch ist es ganz unmöglich, alle äußeren Dinge zu 
entbehren und sich vor der Welt mönchisch abzuschließen. 
Versperren wir unserem Geiste die Berührung mit der 
Außenwelt, und lassen wir ihn nichts als sich selbst er¬ 
kennen, so beschneiden wir ihm seine Kräfte und be¬ 
engen die Freiheit seiner Ausgestaltung. Es gibt außer¬ 
halb unseres Ichs gar vieles, was für uns als nützlich und 
darum als ein Zielpunkt unseres Lebens anzusehen ist. 
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