Full text: Ethik

Grenzen; was also, welcher einzusehende Grund, 
welches gerechtfertigte Verfahren des Denkens läßt 
ihn nicht in dieser Schwebe, sondern fixiert ihn, d. h. 
giebt ihm Einheit, so daß er nicht mehr so oder so aus¬ 
sagt, sondern nur so. 
So wird die Zwecksetzung als eigene, selbständig be¬ 
gründete Methode des Denkens in rein objektiver 
Erwägung klar und in ihrem unverkürzbaren Recht be¬ 
greiflich. Die Reflexion hat dabei nicht nötig, auf das 
Subjektive der Triebe und Motive irgend abzuschweifen. 
Einheit, Uebereinstimmung im Inhalt des Gedachten ist 
Sinn aller Gesetzlichkeit. Darunter ordnen sich: Gesetze 
von Größenrelationen (mathematische Gesetze), Gesetze 
von Zeitrelationen des Geschehens (ursächliche oder 
Naturgesetze), endlich Zweckgesetze. Diese haben ihren 
einzigen positiven Grund eigentlich in dem Urgesetze 
der Gesetzlichkeit selbst und überhaupt; die Gesetzlich¬ 
keit der Erfahrung hat für sie zunächst bloß die negative 
Bedeutung: daß das Gesetz der Idee in seiner Reinheit 
erst da unmittelbar bestimmend eingreift, wo kausale 
Gesetzlichkeit uns keine Entscheidung an die Hand gibt. 
In der Tat vermag die empirische Kausalität unser 
Denken niemals unbedingt zu determinieren, weil sie 
selbst nicht unbedingt ist; also läßt sie die Frage nach 
der letzten übergeordneten Einheit, den Ausblick auf 
das Endziel, jederzeit frei. 
Hieraus versteht sich, daß die Zwecksetzung, wie sehr 
auch ihrem letzten formalen Grunde nach von Er¬ 
fahrung unabhängig, doch dem Stoff nach ganz auf Er¬ 
fahrung angewiesen bleibt. 
Wird erreicht sein, was ich jetzt bezwecke, so wird es 
damit Natur geworden sein; es mußte also auch schon 
vorher auf den Naturzusammenhang, als in diesem Zu¬ 
sammenhänge möglich, sich beziehen. Was aus dem 
Gesetzeszusammenhang der Natur herausfiele, fiele da¬ 
mit überhaupt aus dem Sein heraus. 
Der Verstand giebt aber nur Antwort auf die Frage 
nach den Mitteln der Verwirklichung, nachdem der 
Zweck feststeht. Die radikalere Frage ist erst die nach 
dem Warum des Zwecks. Es mag nun der nächste 
18 Liebert, Ethik. 
273
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.