Full text: Ethik

mehr über die letztere, als eine sie einschließende treten. 
Das absolute Moralprinzip ist das allumfassende Moral¬ 
prinzip; wie es einerseits als Realprinzip der Realgrund 
der Entfaltung der subjektiven und objektiven sittlichen 
Weltordnung, der moralischen Instinkte, Ideen und In¬ 
stitutionen ist, so ist es andererseits als Vorstellung dieses 
Realprinzipes der Erkenntnisgrund für alle relativen 
Moralprinzipien und für alle sittlichen Aufgaben. Aber 
wenn auch das absolute Moralprinzip das allumfassende 
Moralprinzip ist, so wäre es doch ungenügend, vielmehr 
als eine Einseitigkeit höherer Ordnung zu bezeichnen, 
wenn das sittliche Bewußtsein anstatt mit diesem oder 
jenem untergeordneten Moralprinzip sich mit diesem 
höchsten in seiner abstrakten Nacktheit begnügen wollte; 
vielmehr hat es dasselbe in seiner Wahrheit erst dann 
zu eigen, wenn es sich zugleich des ganzen Reichtums 
des von ihm umspannten Inhaltes (an untergeordneten 
Moralprinzipien) bewußt ist. Gesetzt nun den Fall, 
eine Ethik würde unmittelbar mit dem aus einer als er¬ 
wiesen geltenden Metaphysik herübergenommenen ab¬ 
soluten Moralprinzip begonnen und von diesem der ge¬ 
samte Inhalt deduktiv abgeleitet, so würden auch die 
von uns früher besprochenen Triebfedern und Ziele der 
Sittlichkeit in solcher Ableitung ihren Platz finden 
müssen; bei dem von uns eingeschlagenen Wege, auf 
welchem das absolute Moralprinzip sich nur als der 
höchste synthetische Schlußstein in dem induktiv auf¬ 
geführten Gewölbe der verschiedenen Entwicklungs¬ 
stufen des sittlichen Bewußtseins ergibt, genügt es hin¬ 
gegen, den maßgebenden Gesichtspunkt dieses Prinzipes 
als die letzte und höchste Forderung des sittlichen Be¬ 
wußtseins und zugleich als das alle früheren Stufen um¬ 
spannende Prinzip präzisiert zu haben, und es würde 
eme breitere Erörterung wesentlich nur Wiederholungen 
von schon früher Gesagtem bieten können. Es bleibt 
uns also hier nichts mehr zu tun übrig, als noch einmal 
daran zu erinnern, daß das absolute Moralprinzip die 
früher erörterten, mehr oder minder relativen Moral¬ 
prinzipien nicht aus-, sondern einschließt, daß es das 
Positive, was wir in allen (mit Ausnahme der indetermini¬ 
stischen Freiheitsbegriffe) in höherem oder geringerem 
Grade anerkennen mußten, in sich vereinigt und den 
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