Full text: Ethik

auf das Besondere, und nach dieser subjektiven Seite 
ein Unbestimmtes sind, so tritt für ihre Bestimmung 
das Quantitative des Mehr und Weniger ein; ihre Be¬ 
trachtung führt daher die gegenüberstehenden Mängel 
oder Laster herbei, wie bei Aristoteles, der die be¬ 
sondere Tugend daher seinem richtigen Sinne nach als 
die Mitte zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig 
bestimmte. — Derselbe Inhalt, welcher die Form von 
Pflichten und dann von Tugenden annimmt, ist 
es auch, der die Form von Trieben hat. Auch sie 
haben denselben Inhalt zu ihrer Grundlage, aber weil 
er in ihnen noch dem unmittelbaren Willen und der 
natürlichen Empfindung angehört, und zur Bestim¬ 
mung der Sittlichkeit nicht heraufgebildet ist, so 
haben sie mit dem Inhalte der Pflichten und Tugen¬ 
den nur den abstrakten Gegenstand gemein, der als 
bestimmungslos in sich selbst, die Grenze des Guten 
oder Bösen für sie nicht enthält, — oder sie sind nach 
der Abstraktion des Positiven gut, und umgekehrt 
nach der Abstraktion des Negativen böse. 
§ I5i- 
Aber in der einfachen Identität mit der Wirklich¬ 
keit der Individuen erscheint das Sittliche, als die all¬ 
gemeine Handlungsweise derselben — als Sitte, — die 
Gewohnheit desselben als eine zweite Natur, die an 
die Stelle des ersten bloß natürlichen Willens gesetzt, 
und die durchdringende Seele, Bedeutung und Wirklich¬ 
keit ihres Daseins ist, der als eine Welt lebendige und 
vorhandene Geist, dessen Substanz so erst als Geist ist. 
§ 152. 
Die sittliche Substantialität ist auf diese Weise 
zu ihrem Rechte und dieses zu seinem Gelten ge¬ 
kommen, daß in ihr nämlich die Eigenwilligkeit und das 
eigene Gewissen des Einzelnen, das für sich wäre und 
einen Gegensatz gegen sie machte, verschwunden [sind], 
indem der sittliche Charakter das unbewegte, aber in 
seinen Bestimmungen zur wirklichen Vernünftigkeit auf¬ 
geschlossene Allgemeine als seinen bewegenden Zweck 
weiß, und seine Würde, sowie alles Bestehen der be¬ 
sonderen Zwecke in ihm gegründet erkennt und wirklich 
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