Full text: Ethik

eigentümlichen Philosophie, jedem weitumfassenden 
System der Naturforschung, jeder großen politischen 
Einrichtung kann man untersuchen, was dadurch der 
philosophische, naturhistorische, politische Geist allein 
und in ihrer Verbindung gewonnen haben. Man kann 
an diese Untersuchung die noch allgemeinere knüpfen, 
um wieviel dadurch der menschliche Geist überhaupt 
dem letzten Ziele seines Strebens näher gerückt ist, dem 
Ziele nämlich: die ganze Masse des Stoffes, welchen ihm 
die Welt um ihn her und sein inneres Selbst darbietet, 
mit allen Werkzeugen seiner Empfänglichkeit in sich auf¬ 
zunehmen und mit allen Kräften seiner Selb.-ttätigkeit 
umzugestalten und sich anzueignen und dadurch sein 
Ich mit der Natur in die allgemeinste, regste, und über¬ 
einstimmendste Wechselwirkung zu bringen. Man muß 
sogar immer beides, sobald man einen hohen praktischen 
Endzweck verfolgt, und man darf es wenigstens nie ganz 
vernachlässigen, wenn man von der Kunst spricht, die 
aus dem Innersten des menschlichen Gemüts selbst ent¬ 
springt^ und von einem Kunstwerke, das mit dem Ge¬ 
präge einer großen Eigentümlichkeit gestempelt ist. 
Erwählt man nun diesen höheren Standpunkt, so be¬ 
zieht man seinen einzelnen Gegenstand auf einen allge¬ 
meinen, außer demselben liegenden Mittelpunkt und 
arbeitet an einem mehr oder minder beträchtlichen Teil 
eines weiten und erhabenen Gebäudes Dieser Mittel¬ 
punkt ist nämlich: die Bildung des Menschen; dies 
Gebäude: die Charakteristik des menschlichen 
Gemüts in seinen möglichen Anlagen und in 
den wirklichen Verschiedenheiten, welche die 
Erfahrung auf zeigt. Man besitzt nunmehr in der 
Summe der -Vorzüge des Geistes und der Gesinnung, 
welche die Menschheit bisher dargetan hat, eine idea- 
lische, aber bestimmbare Größe, nach welcher sich der 
einzelne beurteilen läßt; man sieht ein Ziel, dem man 
nachstreben kann; man kennt einen Weg, auf dem es 
möglich ist, im höchsten Verstände des Wortes Ent¬ 
decker zu sein, indem man durch die Tat als Dichter, 
Denker oder Forscher, aber vor allem als handelnder 
Mensch jener Summe etwas Neues hinzufügt und damit 
die Grenzen der Menschheit selbst weiterrückt. Man 
gewinnt eine Idee, welche durch Begeisterung zugleich 
Kraft mitteilt, da das Gesetz die Schritte nur leitet,
	        

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