Full text: Zur Lehre vom Gemüt

Zur Lehre vom Gemüt. 
85 
was uns das übrige Gegenständliche außer der Körperempfin¬ 
dung ist, das nicht im Blickpunkt des Bewußtseins steht, also 
auch kein „klares Bewußtsein“ aufzuweisen hat. Nur 
darin unterscheiden wir uns von Nahlowsky, daß wir nicht 
zugeben können, dieses Gegenständliche in der Stimmung 
bildete immer ein „buntes Gedränge“; wir meinen im Gegen¬ 
teil, die Stimmung zeige vielfach gerade nur weniges ver¬ 
schiedenes Gegenständliche auf. 
Ganz richtig hebt Nahlowsky auch die „Unklarheit, die 
der Stimmung anklebt“, hervor, aber gerade dieser Umstand 
hätte ihm zeigen sollen, daß die Stimmung doch nicht ein 
besonderes Gefühl d. i. Lust oder Unlust bedeutet. Das Ge¬ 
fühl kann eben nicht unter den Gegensatz „klar und unklar“ 
gebracht werden, es kann nicht klare und nicht unklare Ge¬ 
fühle geben; das Gefühl zeigt nur den Unterschied der Art 
— so ist das Gefühl entweder Lust oder Unlust — und des 
Grades — so ist Lust oder Unlust entweder stärker oder 
schwächer; aber „klare“ und „unklare“ Lust, oder „klare“ und 
„unklare“ Unlust ist nirgends zu finden und nicht zu ver¬ 
stehen. Wenn nun, wie Nahlowsky richtig hervorhebt, der 
„Charakter“ der Stimmung Unklarheit ist, so muß eben in der 
Stimmung selbst Gegenständliches liegen, denn nur was dem 
gegenständlichen Bewußtsein als Bestimmtheitsbesonderheit 
zugehört, also Wahrnehmungen, Vorstellungen, Gedanken, kann 
„klar“ und „unklar“ als seine Bestimmung tragen. Gewiß 
soll nicht bestritten werden, daß der Stimmung immer Un¬ 
klarheit zukommt, aber diese Tatsache ist eben der beste 
Beleg dafür, daß Stimmung, zu der doch ebenso gewiß immer 
Gefühl (Lust oder Unlust) gehört, eine Bestimmtheitsbesonder¬ 
heit des Bewußtseins sei, die außer Gefühl d. i. Zuständlichem 
auch Gegenständliches aufweist, sonst könnte sie selber gar 
nicht den Charakter der „Unklarheit“, der ihr ja nur um 
eines Gegenständlichen willen zufallen kann, haben. Gegen¬ 
ständliches und zwar unklares Gegenständliches muß 
also zur Stimmung als solcher gehören, so wahr Stim¬ 
mung in allen Fällen den „Charakter der Unklarheit“l) aufweist. 
b Man wende nicht ein, daß wir wohl auch doch von „klarer 
Stimmung“ sprechen; denn das Wort „klar“ hat hier einen ganz anderen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.