Full text: Zur Lehre vom Gemüt

Zur Lehre vom Gemüt. 
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derer Gefühlsgruppen dienen, und sie sind dadurch bemerkens¬ 
wert, daß in ihnen alle drei Stücke des „Gefühls“ zur Berück¬ 
sichtigung gekommen sind. So kennt unsere Sprache das 
„Gefühl“ Liebe, Haß, Zufriedenheit, Unzufriedenheit, Neid, 
Achtung, Zuneigung, Verehrung, Ehrfurcht, Abneigung, Ver¬ 
achtung, Stolz, Hochmut, Demut, Übermut, Kleinmut, Furcht, 
Hoffnung, Erwartung, Sehnsucht, Besorgnis, Angst, Verzagt¬ 
heit, Überraschung, Schreck, Bewunderung, Entzücken, Ab¬ 
scheu, Mitleid, Schadenfreude, Ärger, Entrüstung, Begeisterung, 
Groll, Wehmut, Zuversicht, Verzweiflung u. a. m. 
Diese „Gefühle“ sind uns in ihren besonderen Worten 
von Jugend auf geläufig und durchaus bekannt. Da es aber 
wohl möglich ist, schon allein durch Hervorhebung der Be¬ 
sonderheit zweier Stücke, nämlich des Zuständiichen und des 
„maßgebenden“ Gegenständlichen, die „Gefühle“ als jenen ver¬ 
schiedenen Gruppen zugehörend im Rohen zu kennzeichnen, so 
geschieht es wohl, daß das dritte Stück, die „begleitende“ 
Körperempfindnng, gegenüber den zwei anderen nicht nur in 
den Hintergrund tritt, sondern gar nicht mehr zu diesem 
„Gefühl“ als dessen zu ihm gehöriges Stück gerechnet wird. 
Stellt man die „begleitende“ Körperempfindnng in dieser Weise 
gleichsam vor die Tür, so sieht man sich genötigt, das un¬ 
leugbar innige Zusammen dieses Gegenständlichen des Bewußt¬ 
seins mit dem nun als jenes „Gefühl“ allein verstandenen Zu¬ 
sammen des Zuständiichen und des „maßgebenden“ Gegenständ¬ 
lichen eines Bewußtseinsaugenblickes auf ein Verhältnis zu 
gründen, in dem dieses Zusammen die wirkende Bedingung, und 
jene Körperempfindung die Wirkung bilden soll. Man hält 
dann dafür, daß das Zusammen jener zwei Stücke des „Ge¬ 
fühls“ eine bestimmte physiologische d. i. körperliche Ver¬ 
änderung hervorrufe, die ihrerseits die unmittelbare Bedingung 
für das Auftreten der fraglichen Körperempfindung sei. Diese 
Auffassung scheint noch dadurch empfohlen zu werden, daß 
die Körperempfindung, auch nachdem jenes besondere „Gefühl“ 
schon verschwunden ist, noch weiter bestehen kann („daß sie 
in uns nachzittert“). Indessen wann wäre es ausgeschlossen, 
daß eine Bestimmtheitsbesonderheit, wenn sie auch mit anderen 
bisher ein besonderes Zusammen (hier das „Gefühl“) gebildet 
Kehmke, Gemüt. 5
	        

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