Full text: Zur Lehre vom Gemüt

Zur Lehre vom Gemüt. 
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Empfindung bedingt haben, für eine Mischung von so¬ 
genannten „Elementarempfindungen“ gelten sollen (s. die Kritik 
dieser Hypothese in meiner Psychologie, 2. Aufl., S. 167 ff.). 
Die „Gefühlstöne“ aber sind augenscheinlich das zuständ- 
liche Gegenstück jener fabelhaften „Elementarempfindungen“; 
indes, wie diese, so erweisen auch sie sich für mindestens 
völlig überflüssig bei dem Versuch, das tatsächliche eine Ge¬ 
fühl neben dem mannigfachen Gegenständlichen des Augen¬ 
blickes der Seele zu erklären. Wie die Mehrzahl von „Ele¬ 
mentarempfindungen“ der tatsächlichen einen Empfindung die 
mythische Einkleidung des richtigen Gedankens ist, daß eine 
Mehrzahl zugleich auftretender Keize die wirkende Bedin¬ 
gung der einen Empfindung bildet, so sind auch die „Ge¬ 
fühlstöne“ des tatsächlich einen Gefühls nur die mythische 
Einkleidung des richtigen Gedankens, daß eine Mehrzahl von 
zugleich auftretenden Gegenständlichen des Bewußtseins 
die „Bedingung“ des einen Gefühls ausmachen. Insbesondere 
jedoch ist es ein Irrtum, zu meinen, die „Gefühlstöne“ die 
das doch anerkannt eine Gefühl als „Gefühlsmischung“ be¬ 
greifen lassen sollen, ließen sich einzeln als besondere Ge¬ 
fühle mit Hilfe der Aufmerksamkeit „vollständig“ aussondern, 
z. B. in Fällen, wie bei dem „festlichen Diner“: liefert doch 
die experimentelle Forschung, wenn sie exakt genug ist, un¬ 
fehlbar ein gegenteiliges Ergebnis. Aber wenn auch gar 
durch Experiment festgestellt werden könnte, daß jedes be¬ 
sondere Gegenständliche des „Festdiners“, sobald es als 
alleiniges Gegenständliches des Bewußtseins sich bietet, ein 
besonderes Gefühl mit sich führe, so läge dennoch keine 
Berechtigung zu der Behauptung vor, daß jedes Gegenständ¬ 
liche, sowie es mit dem anderen zusammen das „Festdiner“ 
ausmacht, „sein“ besonderes Gefühl hervorrufe, wenn dieses 
freilich auch sofort mit den von dem anderen Gegenständ¬ 
lichen angeblich ebenfalls hervorgerufenen besonderen Ge¬ 
fühlen zu dem einen Gefühle des Festdiners sich mische. 
Es genügt doch zur Erklärung des einen Gefühls das, was 
die Erfahrung uns vorlegt, nämlich das zu gleicher Zeit auf¬ 
tretende verschiedene Gegenständliche des Bewußtseins. Dieses 
eben ist es, in dem angezogenen Festdiner, das in seiner
	        

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